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Gegen Ende der Saison wächst erfahrungsgemäß der Krankenbestand unter den Regattafahrern. Auch im Windsurfteam gab es 2 Krankmeldungen; Yannick wartet zur Zeit noch auf das Ergebnis seiner Kernspin für sein lädiertes Knie, Klaus meldete sich mit Horst Schlemmers Worten "Ich habe Rücken" kurzfristig ab. So blieben noch 50% des Teams, die sich auf den Weg an die Ostsee machten: Chris O. & Chris H. trotzten den Windvorhersagen.

Denn die waren alles andere als ermutigend, für alle 3 Veranstaltungstage wurde nur für wenige Stunden eine Windvorhersage im 2-stelligen Knotenbereich angekündigt, aber immerhin Strandwetter. Eigentlich sollte man ja meinen, nach inzwischen mehreren Jahrzehnten Regattasport sollte man schlauer sein. Aber nein, man vertraut ja geradezu naiv in die neue heile Technik, die doch bitteschön in der Lage sein sollte, im satellitenüberwachten und vermessenen Europa für den Zeitraum von 72 Stunden eine halbwegs stimmige Wettervorhersage liefern zu können. Immerhin am ersten Tag stimmte die Vorhersage zumindest bis in die Nachmittagsstunden: Flaute, Flaute und nochmals Flaute veranlasste manchen Zuschauer auf der Seebrücke zu Kommentaren wie diesem: "Die liegen ja den ganzen Tag nur am Strand rum, das soll Sport sein?"

Wir hätten ja gerne die Urheber dieser und ähnlicher Kommentare am nächsten Tag noch mal zu einem Statement befragt, aber leider war am Samstag kaum noch einer auf der Seebrücke zu sehen. Das lag zum einem an den äußerst eingeschränkten Sichtverhältnissen durch den monsunartigen Dauerregen, der am Freitagabend eingesetzt hatte und bis Sonntagmorgen in verschiedenen Varianten erhebliche Niederschlagsmengen freisetze. Zum anderen auch an den Temperaturen, die sich bei hochsommerlichen 12°C einpendelten (gefühlte Temperatur: unter 0°C. Dazu kam dann entgegen jeder verfügbaren Wettervorhersage ablandiger Wind mit bis zu 32kn statt der angesagten 2-3kn. Alles in allem, also wunderbare Bedingungen für Freunde von Hallensportarten, nur waren wir leider draußen am Strand bzw. auf dem Wasser um dort im Slalom anzutreten. Dem vorausgegangen war der Versuch der Wettfahrtleitung ein Kursrennen über den Parcours zu bringen. Kaum aus der Landabdeckung heraus zeigten dann die Fahrer die verschiedensten Varianten, sich auch auf Vorwindkurs völlig überpowert ums Material zu wickeln. Florian Bandel vom Bodensee gelang das so kunstvoll, das er sich mit einem gebrochenen Mittelhandknochen von der Regatta vorzeitig verabschieden musste. Gute Besserung von dieser Stelle!

Entsprechend sportlich ging es auf dem Wasser in insgesamt drei Slalomeliminations zur Sache. Zum Teil waren die Fahrer mit Segeln um 6,2qm unterwegs, nachdem sich die zunächst gewählten Segel mit 8,8 oder 8,1 als relativ unkontrollierbar erwiesen. Aber auch so gab es an den Halsetonnen lustige Abgänge zu bewundern. Auch Bernd Flessner musste ungewohnt im ersten Slalom als 2ter ins Ziel fahren. Chris Opitz fuhr wie ich 2-mal ins-A Finale und landete insgesamt auf Platz 8. Ich platzierte mich auf Rang 14. Das, was uns am Strand erwartete, war nicht unbedingt dazu geeignet die Laune anzuheben, wirklich absolut alles an Material komplett durchnässt und vollständig eingesandet. Einige der Fahrer sollen ernsthaft in Erwägung gezogen haben, ihr Material günstig für Selbstabholer bei Ebay anzubieten...

So wie der Samstag aufgehört hatte, begann der Sonntag, nass und stürmisch. Allerdings hatte der Wind inzwischen auf schräg auflandig gedreht und die ansonsten eher flache Ostsee zeigte beachtliches Brandungspotential auf der ersten Sandbank. Pünktlich zum Skippersmeeting verabschiedete sich dann der Wind und der erste Versuch eines Kursrennens endete in Stehsegeln mit anschließendem Abbruch. Die nächsten drei Versuche waren auch nicht unbedingt die Traumbedingungen, insbesondere sorgte das treibende Seegras für einen erhöhten Schwierigkeitsgrad auf der Bahn. Im Gegensatz zum ersten Start wurden die 3 Rennen jedoch ins Ziel gebracht; mit Bernd Flessner auf Platz 1, Chris Opitz auf 6 und mir auf 17. Der vierte Versuch eines Rennens, der einen ersehnten Streicher gebracht hätte fiel dem abnehmenden Wind zum Opfer. Der brachte immerhin mit sich, dass der Regen aufhörte und ein wenig Sonne schien. Diese zeigte allerdings eher das ganze Ausmaß der versandeten Materialberge, die wir irgendwie ins Auto verstauen mussten... Wer also Bedarf an feinstem Strandsand hat, mag sich an den Verfasser des Artikels wenden, geschätzte zwei Tonnen davon sind noch im Bus.

Trotz dieser Zuladung schafften wir es relativ zügig wieder in heimatliche Gefilde, in 2 Wochen ist der nächste und für dieses Jahr der finale Tourstopp vor Kiel, bis dahin!

by
Chris Hafer, GER - 99