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Liebes Tagesbuch, wir waren auf Rügen, genauer gesagt vor Dranske. Und das ist eine ziemliche Reise aus dem Ruhrgebiet. Vor allen wenn man Chris Opitz in Dortmund einsammelt, der extra noch heimlich eine CD mit 73 Folgen "Lukas Tagebuch" des Radiosenders gebrannt hat. Und der diese 73 Folgen dann gnadenlos in einem Stück durchspielen lässt, ja, dann kann diese lange Reise eine ganze Ewigkeit dauern.....Für alle, denen diese Hörspiele bislang erspart blieben, hier findet sich der link: http://www.einslive.de/magazin/comedy/2008/lukas.jsp

Klaus hatte sich am Tag vor unserer Abfahrt leider abgemeldet. Nachdem er bereits auf Fehmarn und Norderney mit Entzündungen im Ohr zu kämpfen hatte, ergab eine gründliche Diagnose daheim dass eine Operation notwendig ist. Die dürfte diese Woche bereits über die Bühne gehen, damit Klaus zum Saisonhighlight, der DM auf Sylt bereits wieder einsatzfähig ist. Ich überstand die Fahrt trotz Dauerhörspielfolter ohne Ohrenentzündung, vermutlich auch ein wenig abgelenkt dadurch, das wir es fertig brachten, durch geschickte Neuplanung der Reiseroute etwas Abwechslung in die eigentlich altbekannte Streckenführung zu bringen. Trotz aller Hindernisse waren wir zusammen mit Yannick am ersten Regattatag mehr als zeitig am Strand um all unser Racematerial fertig zu machen, von 10.9 bis runter zu 6.2. Angesichts der Windvorhersage schien der Berg an Material, den alleine 3 Leute verursachten auch notwendig zu sein. Von Formulabedingungen bei 10-14 Knoten über Slalom bei stetig zunehmenden Wind bis hin zu Freestylebedingungen - und alles bei strahlendem Sonnenschein und angehnehmen Temperaturen - hielt der Wind sich ausnahmsweise mal an die Vorhersage und brach damit auch die bislang anhaltende Flautenserie.

Was auch brach - und damit die bisherige Pechserie bestehen ließ - war Material, was speziell Yannick im Kursrennen am 2ten Tag traf und damit seine Ergebnisse in dieser Disziplin etwas unter das geplanten Soll brachte. Aber zurück zum Freitag morgen; pünktlich startete Regattaleiter Holger Lass mit den insgesamt über 60 gemeldeten Fahrern die ersten beiden Kursrennen auf dem Bodden vor Dranske, ein Kurs mit zwei Gates in Luv und Lee gab den Fahrern die Möglichkeit für Taktik, Kursrennen wie man es sich wünscht. Chris Opitz kam mit den Bedingungen ziemlich gut zurecht, mit Platz 10 und 9 Teilnehmer starken Feld führte er die teaminterne Wertung an, gefolgt von Yannick auf Platz 14 / 15 und mir mit den Plätzen 18 und 22. Direkt im Anschluß an die Kursrennen wurde bei stetig zunehmenden Wind ein Downwindslalom ausgelegt, mit relativ langen Schenkeln zwischen den Halsenbojen. Segelgröße zwischen 8.1 und 7.4 waren angesagt, wobei im 2ten Slalomdurchgang die Wettfahrtleitung statt der üblichen vier Vorrundenheats sogenannte Halffleetraces ansetzte, also nur 2 Vorläufe mit je 24 Fahrern pro Start. Entsprechend eng ging es an den Bojen her, erstaunlicherweise ohne größere Verluste an Mensch und Material. Mit den Platzierungen 4 / 10 beendete Chris Opitz den 1ten Slalomtag auf Rang 6, Yannick hatte die Platzierungen 9 und 11 auf der Liste, und ich leider nur 21 und 31 von 50 Startern im Slalom.

Da im DWC 3 Disziplinen gefahren werden können setzte die Regattaleitung in den späten Abendstunden noch einen Freestyle-Durchgang an; hier zeigte sich die Überlegenheit der Spezialisten in dieser Disziplin; die letztlich die Platzierungen unter sich ausfuhren. Yannick schied immerhin erst als 17ter aus. Nach dem sportlichen Tagesprogramm wurde die Nachtruhe früh eingeläutet, allerdings auch gestört, etwa gg halb vier Uhr morgens zogen die scheinbar Unbelehrbaren alkoholisiert und laut Parolen grölend über die Strandpromenade, was ein ziemlich unbehagliches Gefühl bei den meisten Fahrern verursachte.... Immerhin war der Spuk dann irgendwann vorbei und die traurigen Gestalten verkrochen sich wieder dahin, woher sie auch gekommen sein mögen. Erstaunlicherweise war trotz der nächtlichen Störung sogar Langschläfer Yannick am nächsten Morgen bereits lange vor dem angesetzten Skippersmeeting hochmotiviert dabei, sein Material fertig zu machen, wobei er sich das beim Kursrennmaterial hätte sparen können, da kam er in den 2 angesetzten Starts nach Materialbruch nicht über die Linie. Chris Opitz überschlug sich zwar spektakulär beim Einfahren, zeigte dann mit Platz 5 und 6 bei stärkerem Wind das es aufwärts geht und belegte in der Endabrechnung im Kursrennen Platz 6, ich lag auf Platz 22 und Yannick wg seiner Materialprobleme leider nur auf Platz 28.

Im daraufhin angesetzten Slalom fuhr Yannick sich dann mit Platz 3 seinen Frust von der Seele. Auch Chris Opitz mit Platz 10 war noch gut dabei, bei mir schlug ein 21ter Platz nach einem Frühstart zu Buche, bevor die Regattaleitung erneut die Freestyler aufs Wasser schickte. Wobei diesmal die Spezialisten unter sich blieben, da sogar Bernd Flessner es vorzog, das Spektakel von der Seebrücke aus zu kommentieren, und auch wir uns die Schwimmeinlagen zwischen den Experten ersparten. Mangels Partymöglichkeiten und angesichts des Tagesprogramms war wieder frühe Bettruhe angesagt, quasi zu dem Zeitpunkt, als die Freestylefinalisten vom Wasser kamen. An dieser Stelle mal ein Lob an die inzwischen gewachsene Infrastruktur der Veranstaltung, die für die Fahrer wirklich angenehme Rahmenbedingungen bietet, von den sanitären Einrichtungen bis hin zum Catering.

Der Sonntag begann so, wie der Samstag geendet hatte, sonnig und windig. Allerdings nahm der Wind dann wieder ab, pünktlich zum ersten angesetzten Slalomheat. Dies führte zu mehreren Rennabbrüchen, kombiniert mit zahlreichen Fehlstarts, auch ich handelte mir im 5ten Startversuch einen Frühstart ein. Chris Opitz surfte dann im stark dezimierten Feld souverän ins A-Finale, und absolvierte aufgrund der zahlreichen Rennabbrüche und Neustarts insgesamt 8 Starts für einen Slalomduchgang. Yannick machte es in seinem Vorlauf ein wenig spannender, mit Abstand als letzter gestartet fuhr er nicht nur Slalom um die Bojen sondern auch die Gegner um sich dann doch noch für das A-Final zu qualifizieren. Nicht unerwähnt bleiben soll der Vorlauf mit Mozi alias Philip Müller, alias das Halsenmonster. Bekannt für seine Halsentechnick, die regelmässig zu Massenkarambolagen oder 12 Surfern auf 3 quadratmetern führt, raste Mozi in seinem Vorlauf in Toppossition auf Tonne 1 zu, was unter den Fahrern an Land bereits zu Wetten führte, wenn er wohl diesmal ins Verderben reissen würde. Scheinbar im Bunde mit der Wettmafia überraschte Mozi seine Fans jedoch mit einer Abwandlung; bei dem Versuch in Einleitung der Halse den hinteren Fuß aus der Schlaufe zu ziehen, spitzelte er filigran mit seiner Boardnase bei Vollspeed ein und bremste so in ca. 0.2 Sec von ca 60km/h auf Null, die Fontäne des spektakulären Einschlags dürfte bis Strahlsund zu sehen gewesen sein.

Auch im A-Final lagen die Nerven bei einigen Surfern blank, was in weiteren Frühstarts resultierte, Chris und Yannick konnten aber Ihre Form bewahren und liefen fast in Formation auf Platz 8 und 9 ein. Damit sicherten sie auch in der Teamwertung Rang 3, hinter den diesjährigen Dauersiegern vom Team One um Bernd Flessner, der auch standesgemäß den Gesamtsieg und die Racing Disziplinen dominierte. Mit unseren Einzelergebnissen konnten wir jedoch nur teilweise zufrieden sein, etwa Chris Opitz auf Platz 6 im Racing und Platz 9 im Slalom und Yannick mit Platz 8 im Slalom, da besteht sicherlich noch Potential bei uns. Entsprechend groß war der Frust über die Ergebnisse, aber auch hier fand Chris Opitz schnell tröstende Worte angesichts der bevorstehenden Heimreise; Zitat: "Wart mal ab, nach 73 Folgen Lukas Tagebuch sieht die Welt gleich ganz anders aus...."

by
Chris, GER - 99