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Tiree

"Next time you come to Tiree, I will bring you fresh lobster, ma ha!"

Soweit die nur noch genuschelten Worte des Fischers, dessen Inhalt zu gleichen Teilen durch den schottische Akzent, durch die gälischen Worte als auch durch die Wirkung des Alkohols nicht unbedingt einfach verständlich waren... aber irgendwie versteht man sich. Speziell in einem der beiden Pubs auf Tiree, einer kleinen Insel auf den Hebriden, wo wir an unserem letzten Abend die vergangenen 2 Wochen noch einmal Revue passieren ließen...

Nach Tiree zu kommen, war allerdings eine echte Mission, wie wir noch feststellen mussten, nachdem sich dieses Ziel nach mehreren Berichten über das alljährliche Tiree Wave Classic auf britischen Internetseiten in unseren Köpfen festgesetzt hatte. Zu verlockend waren die Bilder und Berichte von den einsamen Wellen, plus der geografischen Lage, die neben den angeblich meisten Sonnenstunden auf den britischen Inseln auch für reichlich Wind und Swell garantieren sollte.

Ähnlich gedacht hatten wohl die Veranstalter der PWA, die das Saisonfinale des Wave-Worldcups kurzerhand Anfang Oktober auf die Insel verlegten. Umso besser, dachten wir uns, denn nun war unser Plan, direkt nach dem Worldcup Finale auf die Insel zu kommen. Denn, wie jeder weiß, sind direkt vor und nach einem jeden Wettkampf Wind und Wellen in ausreichender Menge da, während eines Contests dagegen schwächelt es meist...

Und so wuchs unsere Vorfreude in den Tagen vor dem Abflug aus zweierlei Gründen stetig an. Zum einen konnten wir jeden Tag aktuelle Bilder und Videoclips von Tiree im Internet finden, zum anderen ging unser Plan in Phase 1 schon mal auf - der Wind schwächelte während des Worldcups und die Nerven der Contestfahrer wurden strapaziert.

Das wurden auch unsere Nerven zunächst, angesichts des bevorstehenden CheckIns und den sich auftürmenden Gepäck- und Materialbergen bei 4 Surfern. Allerdings machten wir uns völlig grundlos Sorgen, denn während andere Fluggesellschaften zur Zeit dabei sind, Surfmaterial völlig vom Transport auszuschließen, erwies sich Ryanair als geradezu erschreckend unkompliziert.

Und so fanden wir uns nur 3h später mit unserem Materialberg in Glasgow wieder, womit aber nur Stufe eins der Anreise bewältigt war. Stufe 2 war die Fahrt durch die - eigentlich völlig untypisch sonnigen - schottischen Highlands entlang des Loch Lomonds zur kleinen Hafenstadt Oban, von wo die Fähre ablegen sollte. Die Fähre, auf der man uns zunächst einen Platz reserviert hatte, allerdings dann kurz vor unserem Abflug just diese Reservierung nicht mehr finden konnte...

Es fand sich mit angeklappten Seitenspiegeln dann doch noch ein Platz auf der Fähre im Morgengrauen, nachdem wir uns mit dem Fährpersonal auf ein oder zwei Bier im örtlichen Pub verabredet hatten, um die Tücken des Buchungssystem noch einmal näher zu erörtern. Bei - planmäßiger - Windstille und ruhigem Wasser konnten wir auf der Fähre den Schlaf der vergangenen Nacht nachholen, bis schließlich Tiree als kleiner Fleck am Horizont auftauchte - um dann allerdings auch nicht wesentlich größer zu werden, bis wir anlegten.

Nachdem Flo während der Fahrt durch die kurvenreichen Highlands schon für einige Schrecksekunden gesorgt hatte, konnte man sich auf Tiree relativ entspannt zurücklehnen, denn nur einspurige Strassen ließen einen den Linksverkehr beinahe vergessen. Jeglicher Versuch, einheimischem Gegenverkehr zuvorkommend in eine der Haltebuchten auszuweichen, wurde von den mehr als freundlichen und entspannten Locals im Keim erstickt - und so stellte sich schnell Inselfeeling ein, bei dem Hektik ein Fremdwort ist.

Auch der nicht gerade stürmische Wind lag noch völlig im Plan, denn es war der letzte Tag des PWA Contest, bei dem die Fahrer bei marginalem Wind raus dümpelten um dann noch eine Welle zu erwischen. So beendete dann auch - gemäß unserem Plan und getreu der Erfahrung - die Dunkelheit den Wettkampf, ohne dass die letzten 16 Plätze ausgefahren werden konnten. Keauli Seadi wurde Weltmeister in der Welle, der Worldcup-Troß packte zusammen und die PWA-Fahrer verließen die kleine schottische Insel, ohne deren volles Windsurf-Potential kennen gelernt zu haben...

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