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DWC und Euro-Cup Silvaplana, 12.-20.08.2006
 

 
Nach jahrelanger Regattapause wurde den Deutschen Windsurf Cupern die Möglichkeit geboten im Engadin (Schweiz/Silvaplanasee) wichtige DWC-Regattapunkte im Süddeutschen Raum zu erkämpfen. Im Rahmen des Stimorol Engadinwind konnten die Regattateilnehmer bei den Regatten, European Freestyle Pro Tour (Wave-Freestyle 12.-15.08.2006) und Windsurfing Euro-Cup (Racing und Slalom 16.-20.08.2006), diese Ergebnisse als Wertung für den DWC in die Jahresrangliste 2006 einzubringen. Allerdings mussten die Teilnehmer, die ihre Platzierungen in die Ranglisten einbringen wollten, die vom DWSV-Verband festgelegten DWC-Materialvorgaben einhalten. Also für die Disziplin Formula/Racing ein Board ein Segel und in der Disziplin Slalom ein Board und drei Segel.

 


Die Wettervorhersagen für das Engadin waren alles andere als gut. Wenig Sonne, viel Regen sowie Temperaturen von -1°C (Nachts) und maximalen Tagestemperaturen von 11°C- 15°C sind keine guten Wind-/Thermikvorrausetzungen für das sonst sehr schöne und windbeständige Regattarevier Silvaplanasee. Das klang nach Kontrastprogramm zu den letzten sonnigen Strandveranstaltungen auf Sylt und vor Warnemünde.

 
Als Klaus Sausen am Sonntagabend mit kurzen Hosen und T-Shirt vom Julierpass kommend auf den Campingplatz Silvaplana aufschlug, glühten zwar die Bremsen, aber sonst war das Umfeld sehr abgekühlt. Die Teamkollegen begrüßten ihn mit Winterjacken, Mützen und Handschuhen bekleidet und zeigten auf die mit Neuschnee bedeckten Berggipfel vom Corvatsch. Hier war noch oder schon wieder Winter, und Denis bereute, seine Skiausrüstung daheim gelassen zu haben. Vom Windsurfteam waren Chris Opitz, Denis Standhardt und Klaus Sausen in den kalten Süden angereist. Die deutsche Beteiligung mit 5 Startern im Freestyle und 12 im Racing/Slalom war trotz der Wetterprognosen sehr erfreulich.

 

 
Bei sehr niedrigen Temperaturen und böigen Schlechtwetterwind zeigten Chris und Denis ihr Freestylekönnen. Gegen die Freestyle-Speziallisten aus dem In- und Ausland hatten die beiden Allrounder keine einfache Aufgabe und so mussten sich die beiden bei maximal 12°C Lufttemperatur, im wahrsten Sinne des Wortes, warm anziehen. Von Sonntag bis Dienstag gab es jeden Tag Schlechtwetterwind, so dass es während der vier Wettkampftagen zu einer Doubelelimination, also 2 Duschgängen, reichte. Der Italiener Matteo Guazzoni (ITA-711) siegte in einem packenden Finale vor dem deutschen Andre Paskowski (GER-2). Dem im DWC-Freestyle Führenden Fabian Weber (GER-999), gelang eine kleine Sensation. Fabian setzte sich gegen den amtierenden Freestyleweltmeister Normen Günzlein (GER-186) durch und belegte am Schluss einen 7 Platz. Chris und Denis konnten den Freestyle-Wettbewerb mit je einem 17. Platz beenden und dürften damit auch in der DWC Freestylerangliste wichtige Punkte gesammelt haben.

 
Da Klaus nicht am Freestyle teilnahm, konnte er sich schon mit dem Racing- und Slalomkurs vertraut machen. Beim Kursrennen sowie beim Slalom musste man je Runde sechs Halsen-Bojen und 7 Halbwindschenkel bewältigen. Mit dem Formulamaterial war das eine sehr kräfteraubende und Adrenalin produzierende Tortour. Hinzu kam noch die dünne Höhenluft, so dass man nach einer Runde schon kräftig außer Atem war. Das ganze hatte auch sein Gutes, trotz der kalten Luft (10°C – 15°C) wurde man bei dieser körperlichen Belastung schnell von innen aufgeheizt, so dass die meisten Racer trotz dieser Temperaturen mit Kurzarmanzügen aufs Wasser gingen.

 

 
Ab Mittwoch durften dann auch endlich die Racer ihr Können im Renneinsatz unter Beweis stellen. Nur das Wetter wollte nicht besser werden, es blieb sehr kalt und regnerisch, so dass die erhoffte Thermik sich nicht aufbauen konnte. Um 17:00 Uhr setzte bei 12°C Luft dann doch noch ein sehr böiger und stark drehender Schlechtwetterwind ein. Erster Start war um 18:00 Uhr, erwartungsgemäß begann es mit einem Massenfrühstart. Da die Regattacrew, übrigens sehr professionell, ohne Fahnen an Boot und ohne Signalmöglichkeit ausreichend ausgestattet war, wurde erst eine Runde gefahren, bevor alle Surfer informiert werden konnten, dass es zu einem Neustart des ersten Rennens kommen sollte. Das zweite Rennen konnte dafür schon um 19:00 Uhr gestartet werden, aber seit Sylt sind wir ja Abendprogramm gewohnt.

 
Bei bis zu 20 Knoten Wind wurde es für die DWC´ler, die nur ein Segel benützen durften mit den vielen Halbwindschenkel sehr sportlich. Denis musste sich mit 12m², Klaus mit 11m² und Chris 10,9m² in den nächsten Tagen über den sehr kräfteraubenden Kurs kämpfen. So etwas haben wir beim DWC schon sehr lange nicht mehr er(über)leben dürfen. Mit dem drehenden und sehr böigen starken Wind kam Chris am besten zu recht, nach perfektem Start hatte Chris die Nase vorn und sah auch meist die bis zu 40 Grad drehenden Winddreher. Er konnte hier sein ganzes Können, das er bei den vielen Raceboardregatten gelernt hatte, in Szene setzen. Im ersten Rennen erreichte er gleich einen sechsten Platz, im zweiten einen 17. und konnte den ersten Tag mit einem 11. Platz beenden. Denis erreichte einen 18. Platz und Klaus, der mit den Bedingungen und den kräfteraubenden Kurs nicht so richtig zu Recht kam, einen 27 Platz.

 
Der zweite Tag war fast eine Kopie vom ersten, nur der Wind drehte während des Wettkampfes noch extremer und auch der Regen ließ uns nicht im Stich. Chris konnte seine Superform vom Vortag bewahren und belegte nach dem 2. Regattatag und dem vierten Rennen einen 9 Platz, Klaus einen 27 und Denis einen 30 Platz. Es sei noch angemerkt, dass auch die Wettfahrtleitung nun endlich die Boote mit Fahnen ausgestattet und einen Schussapparat auf der Tribüne installiert hatte, so dass alle Fahrer bei den häufigen Rennabbrüche besser und früher informiert werden konnten.

 
Am dritten Tag gab es dann eine Wetterbesserung, es gab auch Sonne in den Bergen und bei „sagenhaften“ 16°C wurde der erste Slalom gestartet. Vom Windsurfteam konnten sich alle Teammitglieder fürs Halbfinale qualifizieren. Klaus verlor jedoch kurzfristig den Überblick und startete, aus DWC-Gewohnheit, im anschließenden Halbfinale weiter. Klaus erkannte den Fehler noch rechtzeitig und fuhr nach dem Zieleinlauf sofort über den ganzen See hoch zum Start. Kurze Rücksprache mit dem Startschiff ergab dann doch keine Disqualifikation und Klaus konnte in seinem richtigen Halbfinalheat ohne Pause mitstarten. An der ersten Boje parkte Klaus ein und die Kraft zum Kontern war nicht mehr vorhanden. Die Besten acht eines Heats kamen weiter und Klaus kam, ein Platz hinter Chris liegend, auf Platz neun ins Ziel und konnte sich dadurch nur für das kleine Finale qualifizierte. Denis und Chris durften anschließend im Finale um die Plätze 1-16 kämpfen.

 

 
Der Start für das Slalomfinale verlief für Denis nicht gut, er wurde von einem Franzosen auf der Startlinie vom Brett geholt und musste sich am Schluss mit einen 13 Platz zufrieden geben. Chris erkämpfte sich einen 11. Platz. Klaus konnte im kleinen Finale, nach einem sehr guten Start, das Feld bis zur Hälfte des Kurses mit fast einen Schenkel Vorsprung anführen, mangels Wind parkte er an Boje 4 ein und verlor dann auch noch die Kontrolle über sein Rigg. Auf Platz vier Liegend kam er dann ins Ziel, was Klaus dann den 20. Platz einbrachte. Viel Zeit zum Nachdenken blieb den Teilnehmern nicht, der Wind nahm ab und die Regattaleitung entschied auf die Disziplin Kursrennen zu wechseln. Kaum ging die Startsequenz für das fünfte Kursrennen um 16:00 Uhr los, legte auch der Wind mit bis zu 20 Knoten wieder zu, Die Regattaleitung blieb bei ihrer Entscheidung und bei 15-20 Knoten folgten drei Kursrennen. Insbesondere von den DWC´lern wurde wieder alles abverlangt, den der Kräfteraubende Kurs und die Segelgrößen blieben, wie zuvor beschrieben, unverändert.

 
Chris war nicht zu bremsen und behielt seinen Überblick im Feld der 72 Teilnehmer und konnte nach insgesamt 7 Kursrennen einen 9 Platz belegen, Denis verbesserte sich deutlich auf Platz 23 und Klaus erreichte einen 29 Platz.

 
Am letzten Tag stand der Engadin-Marathon auf den Programm der zugleich auch für den Eurocup zählte. Es war derselbe Kurs wie für die Formularennen davor, nur musste man fünfmal den Kurs fahren. Zunächst bekämpften sich der Süd- und Nordwind, doch dann konnte sich der Südwind mit Windstärken von 5-22 Knoten also beinahe konstant, und Drehern bis zu 50° durchsetzte. Trotz diesen sehr schwierigen Windverhältnissen wurde der Marathon gestartet und viele der Teilnehmer blieben direkt nach dem Start auf der Linie stehen. Die Regattaleitung ließ das Rennen dennoch bis zum Schluss durchlaufen. Chris belegte hier einen 17. Platz, Denis einen 23. und Klaus, nach einer Wettfahrtdauer von ca. 1h einen 27. Platz.

 

 
Die Regattaleitung entschied, nach dem Marathon noch den zweiten Slalom weiterzufahren. Doch der drehende und dann doch deutlich abnehmende Wind verhinderte weitere offizielle Rennen und so standen dann auch die Endergebnisse für den Eurocup fest. In der Disziplin Formula gewann der Israeli Arnon Dragan (ISR-1) vor dem Engländer Williams Ross (GBR-83) und den Argentinier Gonzalo Costa Hoevel (ARG-3). Bester Deutscher war Chris Opitz auf Platz 9 liegend, gefolgt vom Teamkollegen Denis Standhardt Platz 24. Klaus Sausen belegte einen 30 Platz.

 
Im Slalom lag der Engländer Williams Ross (GBR-83) vor dem Israeli Arnon Dragan (ISR-1) und dem Niederländer Adrian van Rijsselberghe (NED-2) Beim Windsurfteam belegte Chris Opitz einen 11. Platz, Denis Standhardt den 13. und Klaus Sausen Platz 20. Mit diesen Ergebnissen belegte das Windsurfteam auch die besten deutschen Platzierungen, Platz eins in der Teamwertung, Platz eins Chris Opitz und Platz zwei Denis Standhardt in der Disziplin Formula in der DWC Wertung. Klaus belegte zudem in der Mastergesamtwertung den zweiten Platz.

 
Nach den Siegen in der Teamwertung beim Pro Am Slalom Fehmarn und auf dem Silvaplanasee konnte das Windsurfteam zum bislang führenden Team aufschließen, so daß auf dem nächsten DWC (Boltenhagen) die Entscheidung über die Jahresteamwertung 2006 fallen wird. Drückt uns die Daumen, damit wir diesmal Jahresteamwertung gewinnen!

 

by Klaus
GER-35