G-99   G-0 Windsurfteam.de
             
DWC Norderney, 02.06.2006-05.06.2006

Zum Pfingstwochenende setzten 52 Fahrer des Deutschen Windsurf Cups zum zweiten Tourstopp der Saison auf die Nordseeinsel Norderney über. Nach dem erfolgreichen Auftakt in Dranske auf Rügen reiste das Bayer Windsurfteam mit Chris Hafer, Christian Opitz, Klaus Sausen und Denis Standhardt an um in den Einzelplatzierungen in den drei Disziplinen Racing, Slalom und Wave-Freestyle Ranglistenpunkte zu sammeln und um das gute Teamergebnis zu bestätigen.
 
 
 
Es war Klaus, der direkt von Fehmarn aus nach Norderney reiste und als Vorhut den Parkplatz am Januskopf bereits am Dienstag in Beschlag nahm. Wir wissen bis heute nicht, ob die Fahrzeughalter der parkenden Autos auf Grund der freundlichen Bitten von Klaus und Jörg ihre PKWs versetzten oder ob die Schilder "Dieser Parkplatz ist für das White Sands Festival gesperrt!" doch ihre Funktion erfüllten.
Mittwochabend nach ca. 50min Fahrtzeit erreichte auch ich mit der letzten Fähre die Sonneninsel Norderney. "Parkplatzwärter" Klaus wies mich geschwind in meine bereits reservierte Position im Fahrerlager ein, so dass wir schnell zum gemütlichen Teil des Abends übergehen konnten: Kochen, Quatschen und Schlafdefizit ausgleichen!
 
 
 
Der Lokalmatador Bernd Flessner übermittelte Donnerstagfrüh die frohe Botschaft, dass wir (genau wie die 40 Tonner der zahlreichen Firmen für die Eventstände auf der Promenade auch) zum kurzen Entladen des Equipments den Deich befahren durften. Die 9 Gun Segel, Masten, Gabeln, Hurricane Finnen und Reparaturzeug waren schnell zu einem riesigen Berg von Wave-Freestyle, Racing und Slalom Material ausgepackt.
Die Messstation des Deutschen Wetterdienstes am Januskopf unterstrich am Donnerstag die Vorhersage und unseren Eindruck von den ruppigen Nordseebedingungen. 5-7 Beaufort, komplett auflandig, ließen eine schön chaotische Welle entstehen. Mehrere Windsurfer wollten unbedingt in den Genuss eines Vollwaschgangs kommen. So gelang es Wolfgang Draschner in einem Segel 5 von 6 Latten zu brechen. Nur Bernd Flessner fand einen Weg zwischen Holz- und Steinbuhnen heraus, während in der Brandungszone die anderen Windsurfer in den Wellen ihre Schwimm- und Tauchkünste vertieften.
Glücklicherweise wurden auch im Laufe des Tages die letzten Stände auf der Promenade am Januskopf aufgebaut, denn direkt in Lee befand sich das Materiallager. Die Stände boten auf der einen Seite (sofern sie nicht selbst wegflogen) einen Windschutz, blockierten auf der anderen Seite aber auch den direkten Weg zum Wasser.
Donnerstagnachmittag erwischte Denis eine Fähre zur Nordseeinsel. Auf der Überfahrt hatte er sich noch überlegt in den tollen Bedingungen sein neues Slalomboard zu testen. Angesichts seines angeschlagenen Zustands (Halsentzündung und Erkältung) war jedoch Ruhe an erster Priorität gesetzt, gerade angesichts der durchweg guten Windvorhersagen, zumindest ab Samstag.
 
 
 
Endlich Freitag, die Regatta geht los. Früh morgens gegen kurz nach 7 Uhr wurden wir von der sanften, aber doch durchdringenden Stimme von Chris geweckt. Platzherr Klaus begrüßte den Nachkömmling Chris, der aus beruflichen Gründen erst die Fähre am Freitagmorgen nehmen konnte. Um 8 Uhr am Wasser angekommen, nach ausgewogenem Sportfrühstück, staunte ich nicht schlecht als Chris voll motiviert schon alle Segel aufgebaut hatte. Selbst das kleinste Wave Segel erblickte die Sonne über der Nordsee.
Die Wetterbedingungen hatten sich von Donnerstag auf Freitag schlagartig geändert. Die Nacht hatte die 5-7 Beaufort mit einem sehr bedeckten Himmel in Sonne mit 1-2 Windstärken umgewandelt. Dieser Tag lässt sich eigentlich mit Flaute und Sonne am besten beschreiben. In der windlosen Zeit konnten wir allerdings im RedBull Iglu am Tischfußballtisch unsere Kickerkünste verfeinern und die aktuellsten Trailer zum RedBull Storm Chase Event ansehen.
In einer am Nachmittag angesetzten Fahrerversammlung wurden die Änderungen in der Materialreglementierung reflektiert und kontrovers diskutiert. Es wurde sich dafür ausgesprochen den Verlauf der DWC Saison abzuwarten um weitere Eindrücke zu gewinnen. Außerdem plädierte der Großteil der Fahrer dafür, die Overallrangliste weiter beizubehalten.
 
 
 
Der Deutsche Wetterdienst sollte mit der weiteren Wetterprognose Recht behalten. AP über Alpha kennzeichnete am Abend, dass es die nächsten Wettfahrten mangels Wind erst am kommenden Tag stattfinden werden. Leider waren auch die Temperaturen wie angekündigt nicht gerade im tropischen Bereich angesiedelt. Freitagabend wurde bei der Beachparty im riesigen Jägermeisterzelt wild gefeiert. Die zahlreichen Kegelclubs, Fußballvereine und Jugendliche, die sich sinnlos betrinken, trugen einiges zur Stimmung und Erheiterung des Abends bei... Das White Sands Festival hat sich mit seinem Party- und Rahmenprogramm als Anziehungspunkt für die Massen definitiv etabliert, und trotz der nicht unbedingt sommerlichen Temperaturen verfolgten auch tagsüber jede Menge Schaulustige das Treiben auf dem Wasser.
 
 
 
Die Wetterdienste behielten auch am Samstag wieder Recht. 9-15 Knoten side-onshore bewegten Holger Lass dazu, die Disziplin Kursrennen starten. Pünklich um 10.15 Uhr fiel der Startschuss zum Rennen #1. Der Kieler Vincent Langer, der auch für den SKBUe startet, setzte sich direkt bei der ersten Kreuz vom Feld ab, gefolgt von Helge, Bernd und mir. Auf der zweiten Runde konnte ich beobachten, wie Bernd unter Land vielleicht etwas zu weit kreuzte und dann eine Buhne persönlich begrüßte. Diese Gelegenheit konnte ich nutzen um mich auf den dritten Platz vorzuschieben. Trotz einer guten Geschwindigkeit konnte Bernd mich kurz vor der letzten Boje wiederüberholen, so dass für mich im ersten Kursrennen in diesem Jahr ein guter 4ter Platz heraussprang. Denis auf Platz 6, Klaus auf Platz 9 und Chris auf Platz 19 komplettierten eine gute Mannschaftsleistung.
Im zweiten Rennen erwischten wir keinen optimalen Start. Allerdings arbeiteten wir, Klaus, Denis und ich, uns weiter vor, so dass wir die Ziellinie geschlossen als 8ter, 7ter und 6ter überquert hätten. Leider brach genau an der letzten Tonne vorm Ziel Klaus der Mast. Unser Master im Team machte die Erfahrung, dass Schwimmen nicht immer gesundheitsfördernd sein muss. Schwimmen mit einem Treibanker, der so groß ist wie ein Kinderzimmer, ist wahrlich keine Freude. Dies bedeutete nicht nur eine sehr ausgiebige Schwimmeinlage für Klaus, sondern auch die Tatsache, dass er diese Wettfahrt nicht beenden konnte und die anschließende Wettfahrt nur mit einem kleineren Reservesegel bestreiten konnte. Die Regattacrew um den souveränen Motorbootpiloten Schelle eilten Klaus zur Hilfe ein leiteten die Bergung ein.
 
 
 
Nach insgesamt vier Wettfahrten am Samstag belegte Bernd Platz 1, gefolgt von Vincent, Helge, Denis und mir. Chris Hafer gewöhnte sich immer weiter an die rauen Nordseebedingungen und verfehlte die Top 10 nur knapp. Erwähnenswert ist nur noch die mittägliche und vorbildliche Verpflegung mit Nudeln im RedBull-Zelt. Großes Lob, insbesondere auch an Bernd Flessner, der als Mitorganisator des Events für das Wohl der Surfer sorgte!
Sonntagmorgen wurden wir schon von dem rauschenden Bäumen und Wellen wach. 15-25 Knoten, allerdings sehr auflandig machten die Entscheidung für Holger Lass nicht einfach. Er entschied sich wegen der ungünstigen Windrichtung gegen Wave-Freestyle und somit für Slalom, so dass im Laufe des Tages insgesamt vier Slalom-Eliminations bei sehr guten und ruppigen Bedingungen gefahren wurden. Der Surfspot Januskopf glänzte mit anspruchsvollen Bedingungen, die nicht nur Kraft, sondern auch teilweise Material kosteten. Uwe Sülter verletzte sich beim direkten Kontakt mit einer Buhne an der Hand, so dass er verletzungsbedingt ausscheiden musste. Er blieb aber mit einem Segel- und Brettschaden nicht der einzige an diesem Tag, so dass abends im Fahrerlager eifrig an den beschädigten Boards repariert wurde, nachdem im letzten Rennen nur noch ein Teil der Fahrer den Weg durch den Shorebreak fand.
 
 
 
Denis erholte sich erst im Wettkampf so langsam von seiner Erkältung, bzw. die Medikamente zeigten Wirkung. Mit einem zweiten Platz im vierten Slalomfinale zeigte er seine gewohnte Klasse. Ich stürzte leider im ersten Vorlauf, verpasste somit das A-Finale und erreichte mit dem Gewinn des B-Finales nur den 17ten Platz. Auch im zweiten Slalomvorlauf erreichte ich nicht das anstrebte A-Finale. Als ich im Vorlauf auf dem aussichtreichen dritten Platz lag, stürzte der Kieler Yannick Oelke und um eine Kollision zu vermeiden wich ich im letzten Moment so aus, dass ich mich auch in der Nordsee schwimmend wieder fand. Mit den Plätzen 4 und 10 in den folgenden Slalom-Eliminations fand ich zu meiner Wettkampfform zurück.
Der Montagmorgen startete windig, aber aufgrund der starken Strömung entschied Holger Lass, die Disziplin Racing zu starten. Bei komplett auflandigen Wind, starker Strömung und Wellen und damit sportlichen Bedingungen verpassten einige Windsurfer den Start. Denis und ich erwischten einen mittelprächtigen Start, reihten uns als 6ter und 5ter an der Luv-Tonne ein und überquerten so auch die Ziellinie. Klaus erreichte eine guten 9ten Platz und Chris einen guten 14ten Platz. Dieser Ausgang des Rennens bedeutete, dass Denis und ich punktgleich waren. Auf Grund des besseren Streichers war ich 4ter und er 5ter. Auch die Einzelergebnisse von Chris zeigen eine Tendenz nach oben. Er belegte einen ordentlichen 15ten Platz. Klaus wurde wegen seines Mastbruchs 17ter.
Nach einer kurzen Pause wurden in der Disziplin Slalom noch zwei weitere Eliminations gefahren. Denis erreichte noch einen 2ten und einen 5ten, Klaus einen 7ten und 6ten, Chris 16ten und 23ten und ich einen 5ten und 2ten Platz. Das letzte A-Finale wurde auf Grund von einem massiven Winddreher abgebrochen. Mehrere Fahrer, unter anderem ich auch, mussten auf dem ersten Halbwindschlag zur Boje zweimal wenden. Eine schnelle Kurskorrektur seitens der Regattaleitung machte einen reibungslosen Ablauf möglich.
 
 
 
Bernd gewann souverän die Slalomwertung vor Helge und Vincent. Denis belegte den 4ten, Klaus den 11ten, Chris den 25ten und ich den 8ten Platz (punktgleich mit Philipp auf 6 und Yannick auf 7). In der Gesamtwertung landete Denis auf Platz 4, ich auf Platz 6, Klaus auf Platz 12 und Chris auf Platz 19. Overall gewann Bernd vor den punktgleichen Helge und Vincent.
In der Teamwertung erreichten wir einen guten 3ten Platz, knapp hinter "Team One" und "XXX".
Nach einem schönen Wochenende mit viel Wind, Sonne, Spass und Windsurfaction auf dem Wasser luden wir unser ganzes Equipment samt einer nicht geringen Menge Sand so schnell es ging wieder ins Auto und trafen fast alle Regattafahrer wartend an der Fähre zum Festland. Ein Tipp noch für alle Norderneyreisende: Immer eine Rückfahrt reservieren! Ohne Fähre und Reservierung geht es vom 1.-3. Juli in Warnemünde im Rahmen der Warnemünder Woche im DWC weiter, hoffentlich erwarten uns dort ebenso gute Bedingungen wie auf Norderney.

by Christian
GER-69