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Capetown 2005

Alle Jahre wieder... so oder ähnlich lautet für viele Windsurfer und Winterflüchtlinge das Motto, wenn es gilt, sich auf den Weg nach Kapstadt zu machen. Neben perfekten Windsurfbedingungen bietet die Metropole mehr als genug Punkte, die den 12 Stunden Flug wert sind. Allerdings können diese 12 Stunden auch länger werden, wie ich feststellen musste, als ich mich pünktlich zum Wintereinbruch am Flughafen Düsseldorf einfand.


 


Scheinbar zu pünktlich, denn kaum an Bord der Maschine, brach der Flugbetrieb wegen Schneefalls zusammen. Nach 5 Stunden in der Maschine scheiterte dann das Enteisen des Flugzeuges worauf hin die Crew feststellte, dass damit bei einem 12stündigen Flug die gesetzlich zulässigen Arbeitszeiten überschritten wurden. Der nun durchgeführte Crewwechsel brachte den Passagieren neben einer kostenlosen Bustour quer über den Flughafen mit eingehender Besichtigung verschiedener Terminals eine weitere längere Wartezeit ein.


 


Denn, kaum zu glauben, die Ersatzcrew steckte auf dem Weg zum Flughafen im Schneechaos auf den Strassen. Immerhin wurde es auf diese Weise ein Nachtflug, und ein sichtlich verschlafener Denis Standhardt konnte Chris sehr früh morgens in Empfang nehmen und quasi direkt an den Strand bringen.


 


Dort rollte pünktlich zur Ankunft der erste große Swell an den Sunset Beach und die frischen Wassertemperaturen in Verbindung mit den großen Sets sorgte schnell dafür, das jegliche Flugmüdigkeit verflogen war, und man sich ganz konzentriert seinen Schwimm- oder Surfkünsten hingeben konnte.
Gegen Nachmittag wurde dann der Ort des Geschehens nach Big Bay verlegt, wo man, wie auch am Sunset Beach, ausreichend Platz auf dem Wasser hatte, da scheinbar der Großteil der Winterflüchtlinge noch zuhause den Weihnachtsbaum schmückte.


 


Wer dachte, nach dem Surfen sei endlich Entspannung angesagt, der hatte nicht mit der neu erwachten Partystimmung von Denis & Co gerechnet. Nach 2 Wochen mit Uwe Cordts und einigen eingebürgerten deutschen Surfern war scheinbar jeder Türsteher wohlbekannt und Kapstadt wurde seinem Ruf als Partymetropole voll und ganz gerecht, zumindest soweit sich dies noch nachvollziehen lässt, insbesondere Camps Bay bietet bereits in den frühen Abendstunden einiges, was die Anfahrt aus dem nördlich gelegenen Tableview lohnenswert macht. Aber auch die lustigste Party war kein Entschuldigungsgrund, nicht mit als erste am nächsten Tag wieder die erfrischenden Wassertemperaturen zu genießen. In der Folgezeit gab es reichlich Wind und Wellen, lediglich mit kleineren Aussetzern, die dann aber auch für mehr als willkommene Pausen sorgten.


 


Zumindest sofern man nicht auch von der Möglichkeit Gebrauch machte, bei Flaute in der Tafelbucht, in das etwa 1h entfernte Langebaan auszuweichen. Damit die Fahrt dorthin nicht zu langweilig wurde, erbot sich die südafrikanische Polizei, etwa auf halber Strecke eine Straßensperre zu errichten, incl. gemütlichem Braii, also grillen, für die etwa 30 anwesenden Kollegen. Nachdem Uwe Cordts als Vorhut bereits seinen Kontostand wegen überhöhter Geschwindigkeit und fehlendem Führerschein mitgeteilt hatte, konnten wir ebenfalls punkten und Uwe durch fehlende Zulassung des Mietwagens sogar noch überbieten.



Die durchaus amüsante Befragung von Denis als Fahrer durch den Polizeibeamten sei zumindest auszugsweise wiedergegeben: Polizist: "Beruf?" Denis: "Surfer", P: "Arbeitsplatz?", Denis: "Beach".... Nach vollkommen ernsthafter und langwieriger Protokollierung wurde dann noch die Frage nach unserem Ausreisedatum gestellt, was den Beamten dann doch zu einem Lachen angesichts seiner vorherigen Ermahnungen brachte...und vermutlich versuchen sie heute noch, Denis telefonisch zu erreichen, nachdem er kaltblütig die ca. 30 stellige Simkartennummer als seine Telefonnummer angebenen hatte..



Als dann doch einmal kein Wind zu finden war, hatte man in Kapstadt die Wahl zwischen beinahe unendlichen Möglichkeiten an Alternativprogrammen. Knut Budig mit Freundin entschied sich für eine Tour entlang der Garden Route, um sich dort mit der lokalen Tierwelt näher bekannt zu machen. Wir machten uns zu ähnlichen Zwecken auf in Richtung Kap der guten Hoffnung, wo auch prompt eine Pavianherde zu Verkehrsbehinderungen führte.


 


Der Versuch von Denis, sich neben den Affen ablichten zu lassen, führte dank einer nicht hochgekurbelten Seitenscheibe dazu, dass es sich der Stammesälteste kurzentschlossen auf der Rückbank unseres Wagen bequem machte, woraufhin Jonas blitzartig seinen Dienst als Fahrer quittierte und mich sichtlich überrascht mit dem Pavian allein im Wagen zurückließ...Da aber nichts essbares zu finden war, schlugen ihn vermutlich die im Wagen befindlichen Neopreneschuhe nach kurzer Zeit wieder in die Flucht, ohne dass Mensch oder Material größeren Schaden nahmen.


 


Traditionelle Windopfer sorgten dann wieder für zunehmenden Wind und Swell, so dass auch Hagkaat brach. Dort war "Frauentag", wobei Quasi-Local Steffi Wahl den Jungs mal zeigte, wie man radikal in größeren Wellen fährt. Während es langsam windiger wurde, rollte die nächste Welle aus Deustchland an, und es wurde merklich voller an den Spots. Mit angereist auch Klaas Voget, Ingo Meyer und Normen Günzlein. Sie erwischten gleich bei ihrer Ankunft einen richtig windigen Tag, und während die meisten in Big Bay sicheres Halsen praktizierten, fuhren Klaas und Co noch zu einer late session mit 3.6qm nach Melkboss.


 


Dieses Segel sollte auch in der Folgezeit sein Standardsegel werden, da er nach dem Surfen um einen Wagen samt kompletter Surfaustattung ärmer war, während Ingo und Normen zumindest noch über ihren fahrbaren Untersatz verfügten, dafür aber ohne Kommunikations- und Zahlungsmittel waren. Zur Wachablösung landete dann ein noch ziemlich unstrukturierter Claudio Koch, der aber immerhin noch den Weg zum Strand und auch in das ein oder andere empfehlenswerte Restaurant fand und sich so nahtlos in das geradezu monotone Leben der letzten Tage harmonisch einfügte und auch unsere letzet Nacht in Kapstadt würdig gestaltete.
Entsprechend gelassen blieb man daher auch, als die Flugesellschaft mit den 3 roten Buchstaben auch auf dem Rückflug für Abwechslung sorgte.


 


Aufgrund eines Streiks in Kapstadt war dort der Treibstoff knapp geworden. Dies brachte uns eine zusätzliche Landung zum Auftanken in Uptington ein, wo auch immer das sein mag. Auf jeden Fall sehr idyllisch im Nirgendwo gelegen, durchaus eine Reise wert, für Leute, die Abgeschiedenheit und Ruhe suchen.



Die zusätzliche Zeit im Flieger war jedoch nicht vergebens, denn Denis fand seine neue Berufung und durfte zur großen Freude der Mitreisenden den Service im Flieger auf ein neues Niveau heben...

by Chris