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West-OZ

 

 
Windsurfen in unseren Breiten ist kein anerkannter Wintersport, auch wenn Florian noch kurz vor Weihnachten bei milden sechs Grad den Luftraum über der Ostsee unsicher machte. Da nach unseren Schulkenntnissen auf der anderen Seite der Erdhalbkugel gerade der Sommer herrscht und allen Erzählungen nach die Windsurfbedingungen in Down Under legendär sein sollen, war die Entscheidung relativ schnell getroffen.

Mit einem Trip an die australische Westcoast wollten Florian Söhnchen und Chris Hafer, dem tristen Wetter und den vollen Schreibtischen entfliehen. Hier ist Ihr Bericht über einen Trip entlang der Surfspots Westaustraliens:

Nachdem die Tickets in unserer Hand waren, begann - zum Leidwesen unserer Umgebung - der Countdown. Wohl um den Kontrast möglichst deutlich zu gestalten, legte der Winter pünktlich zu unserem Abflug noch mal richtig zu. Spiegelglatt gefrorene Straßen machten selbst das Umladen der Boardbags für den Transport zum Airport zu einer rutschigen Angelegenheit.

Das Einchecken selbst, von allen reisende Windsurfern gefürchtet, sollte eine relativ spannende Angelegenheit werden. Taktisch clever hatten wir uns die netteste Dame beim Check in ausgesucht, standen mit unserem Handgepäck lächelnd vor ihr und wiesen entspannt auf unsere Anmeldung des Surfmaterials hin. Verheißungsvoll hielt sie bereits kurz darauf unsere Gepäcksticker in der Hand, aber irgendwie müssen unsere Boardbags dann doch noch Bedenken bei ihr ausgelöst haben...
 


 
So wurden wir an den Airport-Service verwiesen, der uns erst mal zur gefürchteten Wage schickte. 63kg und 81kg mit zugedrückten Augen des Personals an der Waage - soweit, so gut. Also die Kreditkarte gezückt, um Übergepäck zu bezahlen... so war es gedacht.

Allerdings fiel dann einem der Emirates-Angestellten ein, dass aufgrund neuer Arbeitsschutz-Bestimmungen in Australien kein Gepäckstück die 34 kg Grenze überschreiten darf, was uns natürlich beim Anmelden des Gepäcks irgendwie verschwiegen wurde.

Inzwischen hatten wir beinahe die Bekanntschaft des gesamten Emirates-Bodenpersonals gemacht, das mit genialen Vorschlägen ein wenig zur Heiterkeit der doch etwas angespannten Situation beitrugen.

Die Idee, Koffer zu kaufen, um das Surfmaterial dann auf diese zu verteilen, stand ganz oben auf unserer Liste. Da keinerlei geeignetes Verpackungsmaterial aufzutreiben war, der Start unserer Maschine langsam aber sicher unmittelbar bevorstand und wir in Gedanken schon mal einen Sitzstreik in Erwägung zogen, durften wir dann überraschenderweise doch noch einchecken.
 


 
Endlich im Flieger! Wir haben zwar den orientalischen Bauchtanz vermisst, dafür galt es auf den beiden Etappen (Düsseldorf-Dubai-Perth) und den insgesamt 16 Flugstunden neben der Vorfreude möglichst alle Level der bordinternen Videospiele zu knacken. Level 3 von Vier-Gewinnt bleibt allerdings eine echte Herausforderung für den Rückflug.

Endlich sahen wir die Westküste Australiens aus der Vogelperspektive. Der Kontrast der Farben zwischen blauem bis türkisem Wasser und dem roten Land war beeindruckend.

Der Abholservice konnte besser nicht sein: Britta, Basti und Valerie bildeten das Empfangskomitee. Auch wenn Basti´s Kombi unter unseren Bags bedrohlich in die Knie ging und Flo beim Beladen etliche Schweißtropfen vergoss, landeten wir sicher in Fremantle, einem südlichen Vorort von Perth.
 


 
Erster Stopp war der dortige Backpacker, von wo aus es direkt in das Nachtleben auf dem so genannten Cappuccinostrip, Fremantles Flaniermeile, ging. Dort wurde einiges geboten: Aufgemotzte Autos aller Fabrikate, lange Schlangen aufgestylter Mädels vor den angesagten Bars, Livebands und wilde Partys... wurde uns jedenfalls am nächsten Morgen erzählt, da der Flug dann doch seinen Tribut forderte.

Früh von der Sonne geweckt ging es nach Perth City, um unseren fahrbaren Untersatz für die Tour abzuholen. Ein 3-Sitzer Van, mit dem Luxus einer Klimaanlage und einem Hightech Radio unbekannten Fabrikats entsprachen unseren Erwartungen.

Wie wir nach dem Beladen mit unseren Sachen feststellten, war er auch gerade ausreichend groß... und dabei hatten wir wirklich nur das allernotwendigste eingepackt.

Immer noch verschlafen fuhren wir nach Lancelin, nach australischen Maßstäben schlappe 115 km nördlich, wo sich seit Chris letztem Aufenthalt wenig verändert hat. Immer noch das träumerische oder extrem relaxte Fischerdorf, um diese Jahreszeit, quasi zur Nachsaison, noch leerer und entspannter als sonst.

Nachdem in der Zeit vor unserer Ankunft eine Reihe von tropischen Zyklonen im Norden Australiens das Wettersystem gründlich durcheinander gebracht hatte, sah der Himmel über Lancelin am ersten Tag eher nach Weltuntergang und keineswegs australisch aus.

So waren wir auch die einzigen, die trotz einiger Regentropfen ihr Surfmaterial aufbauten, was die Windgötter gnädig zu stimmen schien. Denn wie bestellt wurden die Windmaschinen eingeschaltet und die Drehzahl in den nächsten Tagen konstant erhöht, ebenso wie die Regler an der Wellenmaschine.
 


 
In 5 Tagen vor Ort wurden alle Segel von 5.9 bis 4.2 der Reihe nach gewässert und auch die Wellen haben sich von quasi nicht existent über suboptimal bis auf teilweise masthoch und vor allem richtig massiv gesteigert. Optimales Aufwärmen also, insbesondere da Lancelin ein perfektes Kombirevier mit allem Komfort aus Surfersicht bietet.

Wiese zu Aufriggen, Duschen und Schatten, ausreichend Parkplätze, Surfshops. Dazu stehtiefes Flachwasser im vorderen Bereich für Einsteiger oder zum Freestylen, draußen Wellen für harte Wave-Action, lange einsame Sandstrände, traumhafte Wasserfarben... das mit dem Rückflug sollten wir uns vielleicht doch noch mal überlegen, insbesondere bei dem Gedanken an die Probleme beim Einchecken...

Neu in Lancelin ist die Möglichkeit, professionelle Fotos zu bekommen. Pedro, selbst vor kurzem aus Portugal eingewandert, ist fast täglich mit seinem Boot am Riff in Position, um von dort das Geschehen im Break hautnah einzufangen.

Diese werden auf seiner Homepage http://www.outdoorshots.com.au www.outdoorshots.com.au regelmäßig online gestellt, ein Blick dort lohnt sich garantiert! An dieser Stelle noch mal ein dickes Danke an Pedro, der auch unsere Kamera am Riff in Position brachte! Auf jeden Fall ein Tipp für alle, die gerne sich selbst einmal in perfekten Bedingungen festhalten lassen wollen und keinen eigenen Fotografen dabei haben.
 


 
Nicht fotografisch festgehalten wurden die Blasen an unseren Händen, speziell Flo jammerte genauso heftig, wie er auf dem Wasser surfte. Und um sich vor der heftigen UV-Strahlung zu schützen, hatten wir beide auch reichlich Gebrauch von der Möglichkeit gemacht, sich unter den Weißwasserwalzen zu verstecken, auch um bei dieser Gelegenheit die Lage der örtlichen Riffe auszukundschaften... bislang gibt es noch keine Materialverluste zu vermelden.

Nach unserem - eigentlich nicht existierenden - Plan soll es in Kürze weiter in Richtung Norden gehen, mal sehen was uns dort erwartet...
 

 
Keineswegs überdrüssig der wunderbaren Wasserfarben, der perfekten Freestyle-Bedingungen in der Bucht und der masthohen, leeren Wellen am Riff vor Lancelin, machten wir uns auf den Weg in Richtung Norden, um die dort gelegenen Spots zu surfen.

Zwingendes Muss bei einer Fahrt durch Australien: Ein Eski (austr.: Kühlbox), ein voller Tank und viel Geduld.

Angesichts der scheinbar endlosen Weiten, durch die sich die Strassen wie mit dem Lineal gezeichnet hindurch ziehen und der Distanzen zwischen den Spots ist das Autofahren auch eine mentale Herausforderung.

Hinzu kommt die nicht zwingend intelligente Straßenführung. Aus unerfindlichen Gründen führt die Hauptstrasse meist durchs Inland, weite Umwege zu den Spots an der Küste sind daher unvermeidbar.
 

 
Quasi einen Stopp-Over legten wir ca. 150km nördlich in Cervantes ein, einem Fischerdorf noch kleiner als Lancelin. Dort liegt das Riff weiter vor der Küste, damit eigentlich eine perfekte Bucht zum Freestylen, mit absolut beeindruckenden Wasserfarben... und Giftschlangen als Empfangskomitee.

Aber der Windgott kümmerte sich nicht um die Statistiken, die besagten, das der März eher schwachwindig ist - ein 3,7er wäre gut gewesen, aber wir hatten ja nur das notwendigste Material durch den Check-In bekommen.

Bei diesen Bedingungen, mit dem 4,2er voll am Anschlag, entpuppte sich der nette Freestylespot als absolute Waschbrettpiste und irgendwelche Manöverversuche als sportliche und vor allem auch meist feuchte Angelegenheit.

Gut durchgerüttelt ging es dann zum touristischen Highlight bei Cervantes, den Pinnacles. Ein wüstenähnliches Gebiet, in dem tausende von seltsamen, an Baumstümpfe erinnernden Kalksteinformationen stehen. Ein wirklich mystischer Ort, nicht nur für die Aborigines, insbesondere bei Sunset und Mondaufgang über diesen stummen Wächtern des Outbacks.
 

 
Nomen est Omen, und so befanden wir Hangover Bay als passenden Platz für die Nacht unter einem Sternenhimmel, fernab von störenden Lichtquellen der Zivilisation. Das sich Hangover Bay am nächsten Morgen als paradiesische Bucht entpuppte, bedarf eigentlich keiner gesonderten Erwähnung.

Vorbei an einfallsreich benannten Orten wie Kangaroo-Point ging es dann zurück auf den State Highway 1, in Richtung Geraldton.

Geraldton, zweitgrößte Stadt an der Westküste mit 19.881 Einwohnern, wie das Ortseingangsschild stolz verkündet, bietet neben der üblichen Infrastruktur gleich 3 Surfspots, Point Moore, Sunset Beach und Coronation. Letzterer ist der Top Spot und damit auch unsere erste Wahl, perfekt geeignet fürs Sprungtraining. 30km nördlich der Stadt gelegen und über eine staubige Piste zu erreichen, reduziert sich dort die Infrastruktur jedoch wieder auf Wellblech-Plumpsklos, gut bewacht von vielen dicken Spinnen.
 

 
Dies lässt sich jedoch angesichts der Bedingungen leicht vergessen. Ein Riff schirmt einen Flachwasserbereich perfekt ab, so dass man mit Speed auf die ersten Rampen zuschießt um sich dann zu überlegen, was man eigentlich mal versuchen könnte... Und endlich war das 4,7er mal nicht zu groß, einfach perfekte Surfbedingungen.

Leicht fällt man so in den Rhythmus, den einem Wind und Wellen vorgeben. Man geht bei Sonnenuntergang schlafen, um von der Sonne wieder geweckt zu werden. Mit nur wenigen Leuten auf dem Wasser, extrem entspannter Atmosphäre, spektakulären Sprüngen und mindestens ebenso spektakulären Abgängen.
 

 
Allein die schrumpfenden Vorräte zwangen uns nach Geraldton zum Großeinkauf. An dieser Stelle ein dickes Thanks an die Leute von Telstra, die das Versenden dieser Berichte ermöglichten, da die Internettechnologie in WA noch nicht zwingen auf dem Standard des 21ten Jahrhunderts ist.  

 
Nachdem wir die Wettervorhersagen gecheckt, den Reservekanister sowie den Eski gefüllt, und alle Akkus geladen hatten, fühlten wir uns gerüstet für den Trip nach Norden, zum sagenumwobenen Spot Gnaraloo - es liegt wieder viel Straße vor uns...
 

 
Vor einer Tour in den dünn besiedelten Norden gilt es, sich mit allem Notwendigen einzudecken. Aus den Erfahrungen des letztjährigen Trips nach Gnaraloo wussten wir, dass man im Outback Westaustraliens ziemlich auf sich alleine angewiesen ist und das die Entscheidung 'ich fahr mal eben einkaufen' einem ganztägigen Ausflug gleichkommt.

An der Kasse im Shopping Center von Geraldton erkannten die Kassiererinnen mit geübtem Blick am Inhalt unseres Einkaufswagens unseren Zielort, alternativ wären angesichts Unmengen von Wasser und haltbaren Lebensmitteln Weltuntergangsszenarien denkbar gewesen.

Flo ließ sich von der Einkaufsstimmung dazu bewegen, in eine gute Sonnenbrille zu investieren, allerdings verließ diese Brille nicht einmal zusammen mit Flo das Shopping Center und blieb auch weiterhin verschollen.
 

 
Da sich der Wind am Coronation Beach mittags nicht durchsetzte, machten wir uns bereits am frühen Nachmittag auf zur ersten Etappe.

Mit einem kleinen Abstecher zu den Schluchten des Murchison River bei Kalbarri, die in der Abendsonne einen beeindruckenden Anblick boten, erledigten wir quasi im Vorbeifahren auch das Touriprogramm.

Als die Dämmerung einsetzte und die Gefahr von suizidgefährdeten Kangaroos im Dunkeln zu groß wurde, schlugen wir unser Nachtlager mitten im roten staubigen Nichts am Straßenrand auf, um uns nach einer kurzen Nacht auf die zweite Etappe zu machen.

Bei Tageslicht zeigten uns die vielen Kadaver, dass nicht alle schnell genug gehüpft waren, wobei es mangels Autos nicht ganz einfach sein dürfte, sich auf dieser Strecke überfahren zu lassen.
 

 
Die Straßen erstreckten sich endlos bis zum Horizont, lediglich an den proportional zu den Spritpreisen steigenden Temperaturen erkennt man, dass man in Richtung Norden fährt.

Nach Carnavon biegt man vom Highway 1 links ab und verlässt den zivilisierten Teil Australiens endgültig. Warnschilder warnen quasi vor allem... und das nicht ohne Grund: Auf den Gedenktafeln für Leute, die beim Fischen von den Felsen ins Meer gerissen wurden, wurde gleich Platz für weitere Eintragungen gelassen!
 

 
In Unkenntnis unseres Autovermieters nahmen wir dann eine echte Teststrecke für Reifen und Stoßdämpfer in Angriff, die letzten 75 Kilometer nach Gnaraloo waren nach rekordverdächtigen zwei Stunden geschafft.

Das 3-Mile-Camp fanden wir gespenstisch leer vor, selbst die Verwalter waren verschwunden (mal eben einkaufen), nur an Fliegen herrschte kein Mangel. Die konnten sich mangels weiterer Surfer ganz auf uns konzentrieren und trotz der bestinvestiertesten 2 Australischen Dollar unseres Lebens für Mückennetze war die Übermacht der Fliegen nervenaufreibend. Da blieb oft nur die Flucht ins oder besser noch unter Wasser.

Da das Ningaloo Reef direkt vor der Küste liegt, waren wir mit wenigen Flossenschlägen mitten im Set von "Findet Nemo", inkl. gelassener Wasserschildkröten und - hoffentlich - vegetarischer Haie, wobei ein Blick auf die harten und scharfen Korallen dicht unter der Wasseroberfläche den nächsten Cutback etwas konservativer ausfällen lässt.  

 
Zu den Surfbedingungen am Spot mit dem bezeichnenden Namen Tombstone wollen wir nicht viele Worte verlieren. Es wäre auch schwierig so etwas in Worte zu fassen. Da lassen sich auch 41 °C im Schatten und die Fliegenplage aushalten.

Wegen dieser war Essen erst nach Sonnenuntergang möglich, aber dann unter einem genialen Sternenhimmel. Dazu brannte regelmäßig ein Lagerfeuer, die Nächte können kühl werden.

Irgendwann gingen unsere Vorräte zu Ende und es hieß für uns Abschied nehmen, auch wenn wir bis dahin Gnaraloo für uns alleine hatten und die Wellen nur mit Mantarochen teilen mussten. Nach zwei staubigen und rütteligen Stunden waren wir zurück in der Zivilisation, die sich in einer Tankstelle mit kühlen Getränken und Luxus wie Schokoriegeln manifestiert.
 

 
Voll getankt ging es Richtung Süden. Als alte Pfadfinder getreu dem Motto jeden Tag eine gute Tat quietschten unsere Bremsen jedoch kurz hinter Carnavon, um einem liegengebliebenen Engländer Sprit zu schenken. Genau diese Liter fehlten jedoch hinterher, auch wenn wir schon die Außenspiegel anklappten um den Windwiderstand zu reduzieren. Das Dorf Binu, sonst kaum einen Blick wert und nur auf wenigen Karten verzeichnet, rettete uns mit Sprit zu Apothekenpreisen, so dass wir doch noch Geraldton erreichten.

Den Windmangel nahm Flo zum Anlass, erneut sein Glück im Sonnebrillenladen zu versuchen, wo er inzwischen zu den Stammkunden zählt. Diese Brille gelangte zwar aus dem Shopping Center hinaus, aber kurz darauf verliert sich auch ihre Spur.

Da wir wohl vergessen hatten, unser Abonnement für Wellen zu verlängern und auch der Wind eine kurze Schwächephase zeigte, verlegten wir unser Quartier kurz entschlossen ins westaustralische Skigebiet nach Lancelin: Sandboarden war angesagt. Auch wenn nicht vorhandene Skilifte und kreuzende Motocrossfahrer die Sache nicht einfacher machten. Aber immerhin keine kalte Angelegenheit und bei den perfekten Freestyle Bedingungen in der nahen Bucht wurden wir den Sand dann auch schnell wieder los.
 

 
Zwei Tage Windpause in Lancelin erforderten alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten. Was lag näher als die Tour in den südlich gelegenen Yanchep National Park.

Dort wurde auch Flo endlich von der tatsächlichen Existenz des australischen Wildlifes überzeugt: In der Abendsonne vergnügten sich Kangaroos mit uns auf derselben Wiese, während Koalas faul auf den Bäumen hingen...

Um unsere letzte Woche südlich von Perth verbringen zu können, spulten wir die knapp 500 Kilometer in Richtung Südosten nach Albany in einer nicht ganz ungefährlichen Nachtfahr-Aktion ab.

In den kühlen Nächten halten sich die Kangaroos gerne auf der von der Sonne aufgeheizten Asphaltdecke auf, Zusammenstöße kommen so häufiger vor. Wir schafften es zum Glück für beide Seiten ohne Crash.
 

 
Auf dem Weg in den Westen mussten wir uns nach dem Aufenthalt im kargen Norden erst wieder an die Farbe Grün, echte Bäume und Flüsse gewöhnen. Flo hatte in Yanchep noch nicht genug von den Koalas bekommen und erhielt seine zweite Chance in einem anderen Wildlife-Park: Koala-Knuddeling extreme! Hinterher roch Flo genau so nach Eukalyptus, wie die trägen Kollegen.

Kangaroo Jacky, das wohl süßeste Tier, das uns in den vergangenen vier Wochen über den Weg gehüpft war, schloss uns und unsere Futterbeutel spontan ins Herz. Es wurde letzlich nur von den Parkwächtern daran gehindert, sich auf der Weiterfahrt uns anzuschließen...
 

 
Nachdem wir uns schweren Herzens von unseren neuen tierischen Freunden getrennt hatten, machten wir uns auf zum nächsten Stopp unserer Touri-Tour, zu der ehemaligen Holzfällerstadt Walpole.

Dort bietet sich die Möglichkeit, auf einem 600m langen und schwankenden Treetop-Walk zwischen den bis zu 60m hohen Baumriesen zu wandeln und die Natur aus der Vogelperspektive zu erleben. Vom Boden aus wirken die Karri-Bäume noch beeindruckender, insbesondere Exemplare wie der Giant Tingle Tree.

Als der ältesten und mit 70m wohl der höchste Eukalyptusbaum der dortigen Gegend, ist sein Stamm von vielen Buschfeuern von innen hohl und schwarz verkohlt. Von den Dimensionen her würde sein Stamm locker als Garage für einen Kleintransporter ausreichen.

Nachdem wir genug vom Wald gesehen hatten, war es Zeit für einen Abstecher an die Küste, zu den sogenannten Green Pools und Elephant Rocks. In den von massiven Felsen vom Meer abgetrennten Pools mit angenehm temperiertem Wasser blieb uns mangels Wind nur die Unterwasserwelt - mehr als ein Alternativprogramm! Neben den paradiesischen und menschenleeren Traumstränden gab es auch die erste hautnahe Begegnungen mit Rochen der größeren Art.

Nach soviel Wasser fuhren wir in der Dämmerung zu den Fernhook Falls, aus Angst vor suizidgefährdeten Kangaroos wieder einmal ganz langsam, um dort unser Nachtlager aufzuschlagen. Eine sternklare Nacht inmitten des Eukalyptuswaldes ist sicher eines der vielen besonderen Erlebnisse unsere Tour.
 

 
Von der Sonne sehr früh geweckt folgten wir einem richtig großen Kangaroo zu einem malerischen kleinen See. Vermutlich hatte das Tier die Notwendigkeit eines Bades für uns erschnuppert, nach mehreren Tagen ohne Duschmöglichkeit kein Wunder. Morgens um 5 Uhr im Sonnenaufgang ganz alleine an einem traumhaft schönen See schwimmen gehen - besser kann ein Tag wohl kaum anfangen. Hinterher waren wir fit für die nächste Etappe.

Am südwestlichsten Punkt Australiens, Cape Leeuwin, treffen sich der Indische und der Pazifische Ozean. Bei entsprechender Wetterlage bietet sich hier ein unglaubliches Naturschauspiel, das jedenfalls behauptete der Reiseführer. Da der Wind sich aber noch nicht wieder eingefunden hatte, blieb als Alternative die Hamelin Bay.

Wie ein verstorbener Tierforscher sagen würde, kommen dort kleine possierliche Tierchen in den Ausmaßen 2 x 2,5 m bis auf den trockenen Sand, um sich füttern zu lassen. Es handelt sich um ungefährliche Rochen, die sich anscheinend ziemlich gerne von Touris streicheln lassen.

Kontaktscheu sind die Tiere wirklich nicht und nachdem die erste Überraschung überwunden war, haben wir stundenlang über ihnen geschnorchelt und diese friedlichen Giganten bewundert. Sie haben übrigens ganz kurzes Fell und fühlen sich total schleimig an...
 

 
Margaret River, einer der klangvollsten Namen der Surferwelt, macht seinem Ruf alle Ehre. Ein Surfshop reiht sich an den anderen und der Lebensrhythmus richtet sich nach dem Swell und den Gezeiten. Anders als an den meisten anderen Australischen Surfspots hat Localism hier noch eine sehr starke Bedeutung. Einerseits sehr schade, andererseits aber auch verständlich, wenn man am nicht gerade einsteigerfreundlichen Mainbreak 40 Leute paddeln sieht, die allesamt rippen, was das Zeug hält. Der Respekt vor den Locals und den scharfen und flachen Riffen an Spots mit den bezeichnenden Namen Surgeons Table und Suizide hielt uns von der Besurfung ab. Bei Wind hätte dies sicher anders ausgesehen.

Cape Naturaliste, den nördlichsten Punkt des Küstenabschnittes, verließen wir fluchtartig wegen den heranrollenden Busladungen an japanischen Touristen. In Yallingup, einem Ort mit einem fast menschenleeren Strand, einer traumhaften Lagune zum Schnorcheln und einem tollen Break zum Wellenreiten holten wir die in Margaret verpasste Surfsession nach - im Sonnenuntergang mit 2 Locals in gut kopfhohen Wellen - ein Traum!

In Bunbury, etwa 400 Kilometer südlich von Perth war das Dolphin Discovery Center unser Ziel. Die Bucht inmitten eines Industriehafens ist eine der wichtigsten Kinderstuben für die dort heimischen Delphine. Im Laufe der Jahre haben sich ein paar der Meeressäuger angewöhnt, regelmäßig morgens bis an den Strand zu kommen und zwischen den Menschen umher zu schwimmen, ohne durch Futter oder sonst irgendwie angelockt zu werden.

In Begleitung eines Meeresbiologen und Delphinforschers fuhren wir mit einem Boot raus und gingen mit Schnorchel, Maske und Flossen gerüstet ins Wasser, um uns dann zu fragen, wer hier eigentlich wen beobachtete.

Da die Erlöse aus den Schnorcheltouren komplett für den Schutz der Delphine eingesetzt werden, scheinen hier Umweltschutz und Tourismus in einer nahezu perfekten Form kombiniert zu werden.
 

 
Die letzten Tage verbrachten wir in unserem Basiscamp in Lancelin, und auch die Windgötter schienen noch mal alles zu geben: Perfekter Wind fürs 4,7er Segel, logohohe Wellen draußen am Riff und perfekte Freestyle-Bedingungen innerhalb der geschützten Bucht. Bis zum Einbruch der Dunkelheit gaben wir auf dem Wasser noch einmal alles, auch in der Hoffnung eventuell unser Gepäck für den Rückflug zu reduzieren.

Erstaunlicherweise stellte der Check-in in Perth dann keine allzu große Hürde da und so fanden wir uns im Flieger wieder, immer noch mit der ungelösten Aufgabe des dritten Levels eines gewissen Videogames und viel Zeit, um unseren Trip noch einmal in Gedanken zu durchleben und zu realisieren, was wir erlebt hatten.

Für die Statistik: Mit 66% Windausbeute, etwa 7 Tagen mit masthohen Wellen und knapp 6.000 gefahrenen Kilometern haben wir einen ziemlich guten Windsurf-Trip hinbekommen. Bleibende Erinnerungen an die Tiere, Land und Leute, die vielen besonderen Momente und den Spaß den wir hatten, das sind die eigentlich wichtigen Dinge, die uns jetzt schon von der nächsten Tour träumen lassen... See ya!
 

 

by Chris