G-99   G-0 Windsurfteam.de
             
Teneriffa

Vincent
Eigentlich wollte ich meine Weihnachtsferien auf Sardinien verbringen, um mich auf meinem neuen Formula-Material einzufahren. Doch meine italienischen Trainingspartner sagten in der letzten Minute ab. Last Minute bekam ich noch einen Flug nach Teneriffa, wo sich der Ansturm dank der vergangen Flautenwinter etwas in Grenzen hielt. So bekam ich dieses Jahr sogar ein richtiges Bett in der kanarischen Version der Surfvilla und musste nicht wieder in der Garage nächtigen. Denis ließ sich von den deprimierenden Erlebnissen des letzten Jahres nicht abschrecken und hatte schon länger seinen Aufenthalt auf Teneriffa geplant. Am 25. Dezember sollte es endlich in die Sonne und den Wind gehen, doch die Windvorhersage ließ Böses erahnen.
Denis
Der diesjährige Urlaub begann genauso, wie der letzte endete. Schönstes Sommerwetter, knapp 30 Grad und blauer Himmel, dazu konstante null Windstärken. Nicht einmal das Wasser kräuselte sich. Am 20. Dezember war ich in El Medano eingetroffen und in der ersten Woche brauchte man nicht einmal daran denken, das Surfmaterial auszupacken. Nach drei Tagen rief Vincent an und erkundigte, was für Material er denn mitbringen solle. Meinen Ratschlag, das Surfmaterial zu Hause zu lassen und stattdessen Boule-Kugeln und Federballschläger mitzubringen, ignorierte er. "Meine Waveboards sind eh noch nicht da, also bring ich mein Formula-Zeug mit. Da ist es doch gut, dass nicht so viel Wind ist... Er hatte ja keine Vorstellung, wie windlos es auf den Kanaren sein kann...
 

 
Vincent
Ich stieg aus dem Flieger und strahlende Sonne und kein Windhauch empfingen mich. Von einem Kumpel abgeholt, ging es sofort nach El Medano, wo Denis mich schon erwartete. Eigentlich dachte ich, mit meinem Kursrenner könnte man an jedem Tag wenigstens eine Stunde gleiten, doch puste Kuchen. Die verdörrten Bäume bewegten sich kein bisschen. So behoben wir die beim Flug entstandenen Schäden an meinem Board, guckten Surfvideos und vertrieben irgendwie die Zeit mit dem warten auf Wind. Abends gingen wir zusammen laufen, allerdings packte Denis an einem Tag der Wahnsinn und er musste unbedingt 20 Kilometer in der Mittagssonne joggen. Für ihn war dieser Tag danach beendet. Er war so kaputt, dass gar nichts mehr mit ihm anzufangen war. Am nächsten Tag setzte wider erwartend der Wind ein, zuerst kam ein laues Lüftchen, dass selbst mit dem 10er Racesegel kaum zum gleiten reichte. Bald nahm frischte der Wind allerdings ziemlich heftig auf und ich konnte gleich mal die Starkwindeigenschaften meines neuen Fanatic TT Kursrenners testen.
Denis
Nach einer Woche Windstille mit immer noch hoffnungslosen Windvorhersagen grenzte es schon fast an ein Wunder, als auf einmal eine sanfte Brise aus Nordost einsetzte. Vincent war mit seinem Formula-Material der erste, der in den Gleitgenuss kam. Ich fuhr zunächst den AHD Freestyler AA Pro Modell 70 mit dem 6.4er Gaastra Echo, doch schon recht bald fing Vincent an zu fliegen und ich baute das 6.0er auf. Vincents Pausen wurden immer länger und ab und zu tauschten wir unser Material, damit auch Vincent einige entspannte Surfminuten vergönnt waren. Ich kam so in den fragwürdigen Genuss, erstmals nach 4 Monaten wieder auf einer fahrenden Klotür zu stehen. Bei fünf bis sechs Windstärken war das zweifelsohne eine sportliche Angelegenheit. Nach einem langen Surftag zeichneten sich erste Blasen an den Händen ab und Vincent meinte noch, morgen müsse er echt mal seine neuen Finnen testen. Doch es kam anders...
 

 
Vincent
Am nächsten Tag hackte es. Sogar die 5,0er Segel waren zu groß, meinen Kursrenner konnte ich also getrost in der Garage lassen. Ein freundlicher Mitbewohner meines Appartements lieh mir zum Glück eines seiner etwas älteren Waveboards und ein 4,2er Segel aus dem letzten Jahrtausend. Da merkt man doch erst, welche Entwicklung beim Surfmaterial in den vergangen Jahren gemacht wurde. Ich hatte aber dennoch wirklich Spaß, bis bei drei bis vier Meter hohen Wellen das Board einfach durchbrach. Dumm gelaufen, dachte ich nur noch "Mein Mitbewohner war schon ein wenig sauer, aber er wollte mir aus Mitleid noch sein zweites Waveboard ausleihen. Das Angebot lehnte ich aber ab. Ich hatte Angst, dass ich seinen Surfurlaub gleich ganz beende, indem ich seinen Brettvorrat vernichte".
Denis
Am nächsten Tag, nahm weiter zu, lieh Vicent sich deswegen von der Surfschule am Hotel Atlantic Playa ein 4,2 Segel und einen Fanatic Goya aus. Nach einem wunderbaren Surftages wies das Brett aber auch einen merkwürdigen Querriss auf. Seine Haftpflichtversicherung wird sich freuen, wenn er wieder zu Hause ist...
Vincents Materialverschleiß war wirklich erstaunlich, was sich auch recht schnell in dem kleinen El Medano rum sprach. Er war sich aber keiner Schuld bewusst, vielmehr führte er die durchgebrochen Bretter auf seine geringe Erfahrung in hohen Wellen zurück: "Ich weiß auch nicht, ich trainiere doch sonst nur immer Racing und an das Viernuller bei drei Meter hohen Wellen muss ich mich erst mal gewöhnen". Einzig die Naish-Station von Klaus Gamig hatte diese Nachricht noch nicht erreicht.
 

 
Vincent
An den folgenden Tagen fand ich dort eine neue Heimat. Super Wind, 4.5er Segel und teilweise masthohe Wellen machten Lust auf mehr. Spontan beschloss ich, im Sommer wieder zu kommen, dann allerdings mit eigenem Wavematerial. Meinen Materialverschleiß bekam ich langsam in den Griff, das abgeplatzte Gelcoat und die leicht zerstümmelte Brettnase ließen sich noch mit der schlechten Qualität der Boards rechtfertigen. Die leidgeprüften und sandgestrahlten Strandtouristen fragten sich langsam, ob der Wind jemals wieder aufhören würde, die Beach-Volleyballer fluchten laut und auch dem einen oder anderen Surftouristen nervte der Wind, der Tag und Nacht durchblies. Der einzige Ausweg war ein Ausflug in die Touristenburgen von Las America. Die auf der Südseite der Insel im absoluten Windschatten liegenden Orte versorgten ihre Gäste mit perfektem Strandwetter.
Denis
Anfang Januar flog Vincent wieder ins kalte Deutschland zurück, den Wind aber er lies dort. Mir blieben noch 5 Tage, an zwei Tagen konnte ich noch meine AHD Wave-Krokodilchen fahren und nach zwei entspannten Tagen mit Freestylematerial gab es am Ende noch einen Flautentag, an dem man einfach in der Sonne liegen und relaxen konnte. Etwas hektisch wurde es dann noch einmal am Flughafen. Beim Anmelden des Surfmaterials hatte mir die freundliche Air Berlin-Dame noch gesagt, es sei eigentlich egal wie viel Surfmaterial ich mitnehme. Wichtig sei nur, dass es nur ein Gepäckstück sei. Allerdings hatte sie wohl nicht an die baulichen Begrenzungen des Flughafens auf Teneriffa gedacht. Ich gebe zu, das Boardbag war mit seinen drei Brettern, sechs Segeln, Masten, Gabeln und Zubehör etwas größer ausgefallen und auch der Gepäckwagen gab schon merkwürdige Töne von sich, aber musste das Boardbag deswegen auf dem Gepäckband liegend gleich im ersten Tor stecken bleiben?!? Es bleibt die Hoffnung, dass dieses Hindernis bis zum nächsten Jahr behoben ist. Dann kann auch Vincent mit hoffentlich genug eigenem Wavematerial wiederkommen...