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East-OZ

"Hey mate, ich würde da jetzt nicht rausgehen, zuviele Krokodile unterwegs heute..."

Da stehe ich an einem Traumstrand mit Palmen und türkisem Wasser, mein Board und Rigg in der Hand, verlockende Freestyle Bedingungen direkt vor mir, und dann kommt die Warnung des Rettungsschwimmers wie aus dem Nichts. Na gut, auf Haie stellt man sich in Australien von vorneherein gedanklich ein, auch Stinger, die gefährlichen Nesselquallen, deren Berührung bei nicht rechtzeitiger Behandlung tödlich sein kann, hatte ich einkalkuliert, aber Krokodile??
 

 
Das Australiens Westküste zu den Top-Wavespots der Welt zählt ist allgemein bekannt. Wenig ist dagegen über die Windsurfbedingungen an der Ostküste bekannt, und so war die Tour entlang der Ostküste eine Fahrt ins Ungewisse...

Startpunkt war Cairns im tropischen Norden. Geschützt durch das ca. 40km vorgelagerte Great Barrier Reef waren dort keine radikalen Wavebedingungen zu erwarten. Was wir jedoch fanden, waren einsame Sandstrände, kristallklares warmes Wasser, und bereits eingangs erwähnte Meeresbewohner. Während der Regenzeit von November bis März werden die meisten Strände von Stingern heimgesucht, so das sicheres Schwimmen nur in mit Netzen begrenzten Strandabschnitten möglich ist. Neoprene- oder Lycraanzüge schützen zwar vor den Nesseltieren und für große Haie ist das Wasser zu warm, nicht jedoch für die bis 6m großen Salzwasserkrokodile, von den Australiern liebevoll "Salties" genannt. Während der Paarungszeit wandern diese entlang der Küste - und wir hatten just die Paarungszeit erwischt!
 

 
So trösteten wir uns damit, dass es nur 15 Knoten Wind waren, riggten unverrichteter Dinge wieder ab, und machten uns auf den Weg in den Süden. Hätten wir gewusst das dies einer der windigsten Tage an der Nordostküste gewesen ist, hätten wir bestimmt nicht so kampflos den Strand an die Krokodile abgetreten...
 

 
In Airlie Beach, einer der Partymetropolen der Backpacker Szene, versuchten wir dann unser Glück erneut. Weiter draußen, so unsere Überlegung, würde es weniger Krokodile und mehr Wind geben. Wir schifften uns und unser Material auf einer 80 Fuß großen Maxiyacht ein und starteten in die Inselgruppe der Whitsundays, einem der Traumreviere für jeden Segler. Und mit ein wenig mehr Wind auch für jeden Windsurfer, unzählige einsame Buchten mit kristallklarem Wasser, perfektes Freeriden vor Traumkulisse, zusammen mit Delphinen, Wasserschildkröten, Rochen und ähnlichem "harmlosen" Meeresgetier. Whithaven Beach zählt nicht ohne Grund zu den 5 Topstränden der Welt und kann angeblich auch gute Surfbedingungen haben. Zumindest wie unser knurriger Skipper Steve uns versicherte, und mit einem Grinsen hinter schob: "Ihr hättet letzte Woche hier sein sollen..." Aber leider war uns der Windgott trotz aller heidnischen Rituale nicht wohlgesonnen und so suchten wir Trost beim Schnorcheln über tropischen Riffen und chillen in einsamen Buchten.
 

 
Weiter im Süden Richtung Brisbane an der Gold Coast zeigten sich dann auch wieder Wellen an den Stränden, da dieser Teil der Küste nicht mehr durch das Great Barrier Reef vor Swell geschützt wird. Zwar verdient Surfers Paradise den Namen nicht, da sich kein echter Surfer sich zwischen den Hotelhochburgen und verbauten Stränden wohlfühlen würde. Eine der wenigen unrühmlichen Ausnahmen entlang der Küste, an der Wellenreiter zum festen Bild des Alltags gehören. Noosa Heads beispielsweise bietet nicht nur auf dem Wasser perfekte Bedingungen um sich voll und ganz der "Beachkultur" Autraliens hinzugeben.

Trotz verschiedener Windtänze scheiterte unsere Mission Windsurfen wieder knapp an zu wenig Wind, und so wurden die hereinrollenden Sets wieder nur in unseren Köpfen gerippt.

Vielleicht hatten wir aber doch etwas zuviel getanzt, so jedenfalls unser erster Gedanke als es uns fast durch die Strassen von Sydney wehte... bei 60 knoten Wind stellten die Hafenfähren den Dienst ein und alle Strände brachen closeout, so das wir diesmal gemeinsam mit den Wellenreitern aufs Wasser starren konnten um dann frustriert weiter Richtung Süden zu ziehen.
 

 
In Merimbula endlich, etwa 200 km südlich von Sydney wiesen uns ein paar Kites am Himmel den Weg zum Surfspot. Dort fanden wir nicht nur geniale Bedingungen sondern auch die Erklärung, warum wir bislang nirgendwo auch nur einen Windsurfer getroffen hatten: Sie waren alle hier, zum 21. Merimbula Wave Classic, jedenfalls die 40 Surfer, die es entlang der Ostküste gibt. Daß Quantität nicht gleich Qualität bedeutet wurde eindrucksvoll während des Contest unter Beweis gestellt, da störte auch keinen mehr das für Australien sehr untypische Wasser mit Nordseefarbe und der graue Himmel. Die Fun-orientierten Aussies zeigten, dass auch ein Contest Spass bedeuten kann, kein starres Reglement oder gar Heats wurden angesetzt, sondern jeder surfte wann und solange er wollte und unerkannte Judges am Strand werteten einfach den Gesamteindruck eines Fahrers während des Tages. Damit gewann am Ende derjenige, der den meisten Spass auf dem Wasser hatte, ein sehr nachahmenswertes System! Das zu einem solchen Contest auch ein Barbeque sowie eine würdige Party gehört, versteht sich von selbst und wurde auch in die Praxis umgesetzt, jedenfalls soweit unsere Erinnerung reicht.
 

 
Nächstes Ziel war die Heimat von Australien Wavelegende Jason Polakow, Torquay. Südlich von Melbourne am Anfang der Great Ocean Road gelegen, ist der Ort mit dem legendären Wellenreitspot Bells Beach der Mittelpunkt der australischen Surfindustrie. Die Hälfte der Stadt besteht aus den Niederlassungen und Shops aller großen Surffirmen, sogar ein Surfmuseum ist vorhanden, und so dreht sich auch in diesem Ort alles ums Wellenreiten, wir als Windsurfer waren wieder einmal die Exoten.
 

 
Point Danger, der Spot direkt vor Polakows Haus zeigte sich während unserer Anwesenheit nicht sehr gefährlich, und auch Bells Beach wirkte mit knöchelhohen Wellen nicht sehr beeindruckend. Immerhin reichte der Wind fürs große Segel und so konnten wir zumindest ein paar kleine Wellen über dem sehr flachen Riff am Point Danger und dem Beachbraek am 13th Beach mit den wenigen Locals teilen, die sich wie überall entlang der Ostküste über jeden anderen Surfer freuen.
 

 
Ein "Muß" neben allem Surfen in und um Torquay ist eine Fahrt entlang der Great Ocean Road zu den 12 Aposteln. Auch wenn es tatsächlich einige Felsnadeln mehr sind, gerade bei Sonnenauf- oder Untergang eine sehr beeindruckende Ansicht! Und für uns der Endpunkt einer ersten Erkundungstour entlang der australischen Ostküste, deren Potential in sachen Surfen wir nur ansatzweise erfahren und erahnen konnten.
 

 
Aufgrund der riesigen Entfernungen in Australien, die nach europäischen Maßstäben nur schwer vorstellbar sind, war für die Tour ein Monat eingeplant, bei weitem nicht genug. So bleibt für jeden der mag genug selbst zu entdecken, es lohnt sich...



Spotinfo:
Queensland: Grundsätzlich Freestylebedingungen mit eher leichtem Wind, dafür tropische Temperaturen und Traumstrände

Bei Brisbane teilweise nette Beachbreaks

New South Wales

Victoria
Torquay, mit Point Danger und 13th Beach. Auch in der Bucht vor Melbourne finden sich Surfbedingungen für jede Könnenstufe.