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Kapstadt

Fragt man einen beliebigen Windsurfer nach einem Fluchtpunkt im Winter, wird in 85 % der Fälle die Antwort Kapstadt lauten. Gründe, Südafrikas Metropole für ein längerandauerndes Surfexil zu wählen gibt es nach Meinung der Befragten viele: Gute Wellen, konstanter Wind (so jedenfalls der Volksmund), extrem günstige Lebenshaltungskosten und perfektes Klima, um nur die wichtigsten zu nennen. So wollten auch wir in diesem Winter selbst testen, was davon Legende und was Fakt ist.
 

 
Soviel gleich vorweg, der Februar glänzte nur an 7 Tagen mit dem vielgepriesenen konstanten Cape Doctor, wie der vorherrschende Wind genannt wird. So blieb mehr als reichlich Zeit, den Tourist zu mimen und Kapstadt oder Umgebung zu erkunden. Flaute, die an anderen Surfspots mangels Alternativen beinahe unweigerlich zu Sinnkrisen führt, lässt sich am Tafelberg relativ gut - sofern überhaupt möglich - überbrücken.

Doch der erste Tag nach unserer mitternächtlichen Ankunft, bei der die LTU Berge von Surfmaterial befördern musste, weckte uns mit strahlendem Sonnenschein und - Wind! Sunset Beach war die erste Adresse, einfach zu finden wenn man den Karawanen von schwer mit Surfmaterial beladenen Mietwagen folgte. Entsprechend voll wurde es auf dem Wasser, insbesondere an Tagen, an denen nur einer der Spots funktionierte. Auf dem Wasser und Strand fühlte man sich manchmal wie bei einem DWC, Segelnummern mit dem G vor den Ziffern wohin man sah, dazu überwiegend Holländer, Franzosen und Schweizer, das Niveau auf dem Wasser durchweg sehr hoch.
 


 
Wer noch müde vom Flug oder der Nacht davor war, spätestens der erste Wasserkontakt sorgte für einen glasklaren Kopf. 12-14C Wassertemperatur nicht unbedingt einladend für längere Schwimmeinlagen oder Badefreuden ohne warmen Neo. Verantwortlich für die mehr als erfrischenden Temperaturen ist der kalte Benguelastrom, oder wie Henning Nockel es so schön formulierte: "Weil die am Südpol immer so viel Eis reinschmeissen..."

Ganz einfach waren die Bedingungen nicht, die Welle am Sunset ist teilweise eine one-move Welle, down the line mit viel Speed gut für einen aerial oder cutback, bevor sie closeout bricht. Der Wind ist side-offshore und gerade unter Land sehr böig, was das rausfahren nicht unbedingt erleichtert. Am Ende des Tages zeugten denn auch die mit Surfschrott wohlgefüllten Mülleimer von der Kraft der Welle. Dafür zeigte das Surfen im Abendlicht vor der Kulisse Kapstadts und ein grandioser Sonnenuntergang dass der Sunset Beach seinen Namen zu Recht trägt.
 


 
Abenddämmerung, nicht nur für die großen Fische mit den scharfen Zähnen Zeit zur Futtersuche...Hinsichtlich der Versorgungslage dürften in Kapstadt selbst eingefleischte Pfennigfuchser und Anhänger von Dosenravioli ihren Weg in die Restaurants finden. Claudio Koch hatte die mit erheblichen persönlichen Opfern verbundene Aufgabe auf sich genommen, einige der durchweg erschwinglichen Gourmet-Tempel zu testen.( Gerüchten zufolge wird er in der kommenden Saison aufgrund des daraus resultierenden gestiegenen Bedarfs an Boardvolumen im Freestyle auf einem Formulaboard antreten...) Unser Favorit ist ganz klar das Blowfish, am Ende des Dolphin Beach. Im Preis-/Leistungsvergleich kaum zu schlagen, mit dem besonderen Plus des direkten Blicks auf die funkelnden Lichter Kapstadts.

Auch in Punkto Unterkunft bietet Kapstadt viel für wenig Geld. Bevorzugte Gegend für viele ist der Vorort Tableview, in direkter Reichweite zu den meisten Windsurfspots. Dort hatten auch wir uns bei Claudio Koch einquartiert, mit Blick auf Bigbay und Sunset Beach. Die Gebrüder Laufer setzten den Spruch "Vom Bett aufs Brett" noch konsequenter um. Nicht ohne den ihnen eigenen Stil beizubehalten, schließlich wollen die Jaguars passend geparkt werden. Direkt in erster Reihe am Sunset Beach hatten sie eine Villa mit 8 Schlafzimmern, Dachterrasse, Bar und dem obligatorischen Pool bezogen und bildeten so die zentrale Anlaufstelle für die meisten der DWC Fahrer. Wenn es nach dem ebenfalls angereisten Günther Lorch gegangen wäre, hätte man von der Dachterrasse per Fahnensignalen bei der Wellenauswahl assistieren können. Einziger Nachteil der günstigen Unterkunft war die Tendenz zum Abhandenkommen hochwertiger Elektrogeräte, gleich 2mal mussten die Bewohner den Verlust von Laptops, Handys und Cds beklagen... Abgesehen von einzelnen Fällen ist Kapstadt jedoch sicherer als es viele darstellen. Wie in jeder Großstadt gibt es bestimmte Gegenden, die für erkennbare Touristen nicht unbedingt der geeignete Aufenthaltsort sind. Mit einem gesunden Maß an Vorsichtsmaßnahmen dürfte sich die Gefahr im üblichen Rahmen halten.
 


 
Noch ein Tipp: Prepaid Telefonkarten gibt es incl. Guthaben schon ab etwa 4 Euro. Perfekt, wenn man sich in die Nachrichtenkette der Surfergemeinde einklinken kann um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Genau das gelang uns an einem der nächsten Tage. Während in Big Bay auch Ampeln oder Fluglotsen nur wenig Ordnung ins Chaos auf dem Wasser gebracht hätten, meldeten die Scouts gute Bedingungen aus Yzerfontain. Nach 70km Fahrt in Richtung Norden zeigte bereits der erste Blick aufs Wasser, das sich während der Fahrtzeit die Bedingungen von gut zu fast perfekt gewandelt hatten: Klare Lines, wenig Leute auf dem Wasser, side-offshore Wind für 4.7, das Aufriggen dürfte neue Rekordzeit gewesen sein...In Yzerfontain ist Parken direkt am Spot möglich, zwischen den Wellen ist relativ viel Platz und an guten Tagen, wie dem, den wir erwischten, bricht die Welle einmal quer durch die Bucht. Yzerfontain hat gegenüber den meisten anderen Spots auch den Vorteil des fehlenden Sandstrahlgebläses, wie es ab einer bestimmten Windstärke an fast allen anderen Stränden eingeschaltet wird und einen Aufenthalt am Strand zu einem echten Härtetest macht.
 

 
Big Bay selbst, quasi am Ende der Tafelbucht gelegen, ist durch Felsen auf beiden Seiten begrenzt und alles andere als groß. Wenn Sunset zu ruppig wird, pilgert die Surfergemeinde meist geschlossen zur Big Bay. Perfekte Infrastruktur mit Duschen, Wiese zum Aufriggen und Imbiß ziehen Surfer, Kiter und Windsurfer gleichermaßen an und so kann es gerade an Wochenenden relativ voll werden. Der Wind kommt nicht ganz so ablandig wie am Sunset Beach, daher meist auch konstanter und gut zum Springen...wobei man niemals sein Material loslassen sollte, kommt bei soviel Verkehr nicht gut an.

An allen Spots konnte teilte man sich das Wasser mit sehr vielen echten "Locals", von Buckelwalen, die in kurzer Entfernung hinter den Wellen patroullierten, zu Robben und Delphinen...nur die Haie, die vor unserer Ankunft relativ häufig aufdringlich gewesen sein sollen, zeigten sich nicht, worauf man auch ohne weiteres verzichten konnte.

An einem der Tage brach Hagkaat, und selbst Ortsunkundige wurden durch die Anhäufung von Surferautos rund um den überfüllten kleinen und unscheinbaren Parkplatz zwischen Big Bay und Melkboss aufmerksam. Auf dem Wasser dagegen alles andere als Überfüllung, dafür sorgten bereit die Bedingungen. Teilweise masthoch brachen die Wellen über dem Riff, viele zogen es daher vor, die Show der Profis vom sicheren Strand aus zu beobachten.
 


 
Kaum hatte man sich an die Eigenheiten der einzelnen Spots gewöhnt, da verabschiedete sich der Wind. Also blieb Zeit, das "Pflichtprogramm für Touris" abzuhaken: Tafelberg, Kirstenbosch, Gardenroute, Weinroute, etc...

Der Tafelberg prägt in der Tat Kapstadt, bereits aus etwa 100km ist er zu sehen und auch auf dem Wasser beeindruckt die Kulisse immer wieder. Noch beeindruckender ist ein Sonnenuntergang vom Tafelberg selbst. Hinauf geht es entweder in Rheinhold Messner Manier per pedes oder via Seilbahn. Genau wie bei einem Besuch in Kirstenbosch haben die cleveren Leute - also auch die Leser dieses Berichtes - den Rucksack voll mit leckeren Snacks und Getränken, für ein Picknick im stilvollen Ambiente über den Wolken.
 


 
In den Kirstenbosch Botanical Gardens an den Osthängen des Tafelberges, die ohnehin einen Besuch wert sind, spielen jeden Sonntag Livebands der unterschiedlichsten Stilrichtungen. Für wenig Eintrittsgeld einfach ein Plätzchen auf dem Rasen suchen und genießen...
 

 
Genießen lässt sich auch eine Tour in die Weinregion des Kaps rund um Stellenbosch. Wunderschöne alte Häuser in niederländischen Stil vor der Bergkulisse und den Weinbergen bietet Stellenbosch, eine der ältesten Siedlungen im Inland. Im Umkreis dieses wirklich guterhaltenen, bzw. liebevoll restaurierten Ort liegen unzählige Weingüter, die zu einer Weinprobe einladen. Empfehlenswert ist das Weingut Boschendal, dort ist für etwa 7,- Euro auch ein 6 gängiges Picknick vor dem Anwesen zwischen fröhlich schnatternden Enten möglich (telefonische Vorbestellung!). Die Weinprobe findet unter einer riesigen Eiche im Freien statt, für umgerechnet 2 Euro gibt es 10 Sorten zu verkosten und die weitere Fahrt durch das Hinterland ist mit Sicherheit danach doppelt so schön....
 

 
Wenn abzusehen ist, dass sich der Wind - wie in unserem Falle - für längere Zeit verabschiedet, ist die beste Alternative eine Fahrt Richtung Osten, entlang der Gardenroute.

Nach relativ eintönigen 400km über Land kommt man wieder an die Küste und ab dort hat die Gardenroute ihren Namen verdient. Die Berge an der Küste fangen die Feuchtigkeit vom Meer, entsprechend grün ist die Landschaft. Tiefe Täler bieten Pflanzen und Tieren zusätzlichen Schutz und perfekte Möglichkeiten für Wanderungen, etwa am Stormriver Natinal Park. Nature Valley,Wilderness und Plettenberg Bay bieten Traumstrände am indischen Ozean, warm genug zum Baden. Entlang der Garden Route gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, in Parks die sogenannten "Big Five", also Elefanten, Nashörner, Löwen, Wasserbüffel und Giraffen zu sehen, also auf zur Fotosafari..
 


 
Unser persönlicher Tipp ist eine Fahrt ins Hinterland Richtung Oudshoorn. Wir fuhren im dichten Nebel durch die Berge, um direkt hinter dem Pass von der Abendsonne geblendet zu werden...vor uns Weiden und unzählige Strauße. Oudshoorn ist die "Straussenhauptstadt" Südafrikas, alles dreht sich hier um die lustigen Viecher. Neben schönen alten Häusern, die vom Reichtum der Straussenzüchter während der Blütezeit am Anfang des Jahrhunderts zeugen, gibt es einige sehr gute Restaurants, mit mehr als nur Straußensteak im Angebot. Ein Besuch auf einer Straußenfarm ist in dieser Region Pflicht, Straußenreiten ein ziemlich lustiges Unterfangen, man sollte nur wissen wo bei einem Strauß die Handbremse ist... John Wayne wäre vor Neid erblasst,
 

 
Die "Abkürzung" zurück in Richtung Küste führte uns vorbei an den Cangoo Caves über Schotterpisten, vorbei an verlassenen Hütten und Maultierkarren in die Red Hills und von dort in die Little Karoo, einer kargen Steppenlandschaft, mit den mächtigen Gebirgszügen im Hintergrund. Besonders die Wechsel in der Landschaft beeindruckten. Nach soviel Staub stand Surfen ganz oben auf der Wunschliste. Ohne Wind blieb allerdings nur Baden, auf der Ostseite des Kaps auch ohne Frostbeulen möglich.
 

 
Eine Tour ans Kap der Guten Hoffnung ist an einem Tag möglich. Nomen est omen, also voller guten Hoffnung auf Wind ging es Richtung Kap. Highlight auf dem Weg ans Kap ist Boulders Beach. Am besten relativ früh am morgen, wenn man Glück hat ist man dann alleine mit Hunderten von "possierlichen Tierchen", wie Heinz Sielmann es ausgedrückt hätte. Die einzige Pinguinkolonie auf dem Festland ist frei zugänglich und so kann man an dem ohnehin schon sehr schönen Strand noch mit den lustigen Gesellen im Frack schwimmen gehen oder sich die Zeit vertreiben.
 

 
Im Cape Nationalpark finden sich Schildkröten (...ziemliches Verkehrshindernis), Strauße, Zebras und Springböcke, nur vor der räuberischen Pavianen sollte man sich in Acht nehmen. Das Kap selber ist regelmäßig in dichten Nebel gehüllt und seit der ersten Umschiffung strandeten regelmäßig Schiffe auf den Riffen. Der Shipwreck Trail, ein Wanderweg entlang der Küste, ist daher besonders bei Nebel empfehlenswert, wenn unvermittelt die Wracks aus dem Nebel auftauchen und man eigentlich erwartet, das auch der Fliegende Holländer hinter den Wellen erscheint. Leider erfüllte sich die Hoffnung auf Wind nicht, und die Spots wie Scarborough und Plattboom blieben im Nebel ohne Wind verborgen.

Ein Paradies ist Kapstadt auch für alle Souvenir- und Schnäppchenjäger, sei es an der Strasse oder auf den Märkten und in den Markthallen Kapstadts. Originalgespräch auf dem Greenmarket: "Ist viel zu teuer." "Hey Mister, nicht weggehen, Du musst doch jetzt handeln und meinen Preis drücken.." Beim Einchecken am Flughafen zeigten sich dann die Konsequenzen; Trommeln, Klamotten und die obligatorische Holzgiraffe versetzten selbst die stoischen Leute hinter dem Schalter in Unruhe. Immerhin lenkte das von den prall gefüllten Boardbags ab, die eigentlich nur mit einem Gabelstapler zu bewegen gewesen wären. Und so gings leider wieder zurück, allerdings tröstete die Aussicht auf die anstehende heimische Saison ein wenig...
 


 
Bis demnächst am Strand!

by Chris