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The Crossing

Einmal nicht nur im Kreis um die Bojen der Regattabahn fahren, das war die grundlegende Idee, die sich während einer langen Saison im DWC bildete. Und gegen Ende der Saison nahm das Projekt Gestalt an, eine Überquerung des Ijsselmeeres, auf dem einige des Teams ihre ersten Surfversuche gemacht hatten, mit Start und Ziel abhängig von den Wetterbedingungen. Als Basis und Begeleitung fand sich die Clubyacht des Segeklubs Bayer Uerdingen und ein Motorboot, die sich in dem in Frage kommenden Zeitraum ohnehin am holländischen Ijsselmeer befanden.
 

 
Nach einigen Vorbereitungen wurden ein Zeitraum festgelegt, in dem - entsprechende Wetterbedingungen vorausgesetzt - die Durchquerung stattfinden sollte. Und nach aufmerksamem Studium der Wetterkarten wurde das Wochenende vom 12.-13.10.2002 ins Auge gefasst, um Klaus Sausen, Denis Standhardt und Chris Hafer auf die Long Distance Strecke zu schicken. Hier ist der Bericht von Denis:
 

 
Als Treffpunkt war der Workumer Jachthafen It Soal ausgemacht, Samstag morgens um 9 Uhr. Kurz nach 5 reißt mich der Wecker aus dem Schlaf, der Wagen steht bereits vollgepackt mit Surfmaterial vor der Haustür. Selbst die A40 quer durchs Ruhrgebiet ist um diese Uhrzeit noch menschenleer. Erstes Ziel der Reise war Duisburg, wo ich Chris abhole. Dem drücke ich als erstes meinen Autoschlüssel in die Hand und verziehe mich mit Decke und Kissen auf die Rückbank. Während der knapp dreistündigen Fahrt mache ich nur von Zeit zu Zeit die Augen auf, Chris versorgt mich dabei immer mit den aktuellen Wind- und Temperaturmeldungen. Die sind Grund genug, die Augen schnell wieder zu schließen und tiefer unter die Decke zu kriechen: Am Grenzübergang sind es noch fünf Grad, bei der Ankunft in Workum zeigt das Thermometer ganze anderthalb Grad an, also eher wintersportverdächtig. Wenigstens gibt es dazu zumindest anfangs strahlend blauen Himmel. Der Jachthafen macht allerdings einen völlig ausgestorbenen Eindruck, angesichts der Temperaturen wundert uns das nicht. Kurz nach uns trifft Klaus ein, aufgrund der langen Anreise aus dem Schwabenländle noch mit Sehschlitzen statt Augen versehen. Fotograf Holger war bereits am Vorabend angereist, Daniel Culjak ist leider ausbildungsbedingt verhindert.
 

 
Auch die fast 14m lange Bayer-Jacht "Oeding" sieht verlassen aus, zumindest von außen. Unter Deck sitzt jedoch die komplette Mannschaft um Skipper Jürgen gemütlich bei optimal geheizter Kajüte beim Frühstück. Das Team ist komplett und der warme Kaffee wirkt, und so gehen wir die Planung für den bevorstehenden Trip aufgrund der aktuellen Windmeldungen zum letzten Mal durch. Von Workum an der Ostseite des Ijsselmeeres, soll es halbwinds Richtung Enkhuizen auf der Westseite gehen, für die gut 30 Kilometer plant Jürgen gut 3 Stunden ein.

Die Materialwahl gestaltet sich als Lotteriespiel. Vom Hafen aus ist das Ijsselmeer nicht zu sehen, der Wind bläst voll ablandig. Also bleibt uns als Orientierung nur der Windmesser der "Oeding". Wir entscheiden uns für unsere mittleren Segel. Klaus und Christian packen ihre 8.1er Racesegel von Gun aus, Prototypen der 2003er Version des M8. Aufgrund der Bedingungen hatten wir uns gegen Raceboards entschieden, stattdessen nehmen Klaus und Chris den nagelneuen Hypersonic von Starboard bzw. den Lorch Silver Breeze 272. Ich wähle meinen AHD Diamond GT 85 und das 8.0 Gaastra GTR, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, war die Materialwahl als goldrichtig.
 


 
Ebenso schwierig wie die Materialwahl sollte der Start werden, der Jachthafen ist nicht wirklich auf Surfer eingestellt. Eine Wiese zum Aufriggen ist zwar vorhanden, allerdings wurde bei der Planung der kleine Sandstrand für den bequemen Einstieg vergessen. Statt dessen geht es mit einem Hechtsprung samt Material von der 2 Meter hohen Hafenmauer ins kühle Nass. Auf Vorwindkurs verlassen wir den Hafen, dicht gefolgt von dem Motorboot mit Joachim, dem Mann im Verein für alle Fälle und Fotograf Holger, sowie der "Oeding" und der Crew um Skipper Jürgen. Während die Segelcrew mit dem Setzen der Segel beschäftigt ist, testen wir unter Land den richtigen Materialtrimm. Chris hatte wohl die Tücken des Ijsselmeeres vergessen und macht gleich mal die Bekanntschaft mit einer Sandbank. Nach einem phänomenalen Schleudersturz bei Höchstgeschwindigkeit liegt er wie ein Krebs auf ebendieser... Zum Glück bleibt alles heil und nachdem Klaus mit Hilfe des vom Motorboot angereichten Werkzeuges seine Fußschlaufen an seine sensiblen Füßchen angepasst hat, geht unser Flottenverband auf Kurs Enkhuizen. Im Flachwasser können wir mit Hilfe des Motorboote unsere Höchstgeschwindigkeit messen. Über meinen Rekord von konstant 32 Knoten, also fast 60 km/h, sind wir alle ziemlich erstaunt, insbesondere angesichts der 62cm langen Finne, aber auch die anderen zeigen, was mit modernem Freeracematerial heute möglich ist.
 

 
Bei anfangs vier bis fünf Windstärken und recht flachem Wasser ist die "Oeding" deutlich langsamer, ihre Reisegeschwindigkeit liegt bei acht bis neun Knoten. Also kreisen wir zunächst um das Segelboot, das Motorboot folgt mit einem kleinem Respektabstand. Als wir aus der Uferabdeckung von Stavoren kommen, nimmt der Wind deutlich zu und das Wasser wird unruhiger. Sechs bis sieben Windstärken zeigt der Windmesser auf der Jacht an, wie wir von Jürgen signalisiert bekommen. Klaus bekommt recht bald deutliche Kontrollprobleme und fängt daher mitten auf dem Ijsselmeer an, sein Segel neu zu trimmen, um die Vorlieksspannung und damit die Kontrolle zu erhöhen. Also Mastverlängerung raus, eine Stufe verlängern und Vorliek zerren, das alles im ijsselmeertypischen Kabbelwasser, nicht einfach bei fast gefühllosen Fingern. Während der Rest die Fahrt fortsetzt, bleibt das Motorboot mit Joachim aus Sicherheitsgründen bei Klaus, bis dieser wieder zu uns aufschließt.
 

 
Für optimale Fotos dirigiert uns Holger, unser Fotograf, teilweise sehr nah an die "Oeding" und andere Segelboote heran. Keine ganz leichte Geschichte, auf sehr engen Raum zu dritt so nah vor einer großen Yacht in ihrer Bug und Heckwelle zu surfen. Aber die Eindrücke die man dabei sammeln kann, sind gigantisch, man kann die große Heckwellen vom Segelboot runterfahren wie beim Waveriding. Wir vergessen die kalten Temperaturen und verlieren das Gefühl für die Zeit. Langsam kommt Land in Sicht und aufgrund (oder trotz?) der Navigation der Experten an Bord der "Oeding" ist es sogar genau der gewünschte Zielhafen, Enkuizen. Unmittelbar vor dem Hafen muss Klaus eine Schwimmeinlage einlegen, während Chris und ich der "Oeding" in den stark befahrenen Hafen folgen. Dort erwischt es auch uns, da ein etwas größerer Ausflugsdampfer uns in der engen Hafeneinfahrt entgegenkommt. Die plötzliche Windstille in Lee des Schiffes war zusammen mit der doch ziemlich großen Heckwelle nicht abzufangen, und so testen wir noch einmal die Wassertemperatur.
 

 
Auch der Enkhuizener Hafen ist nicht für Surfer ausgelegt, ein Ausstieg an Land ist nicht möglich. Deshalb müssen wir die Segel im Hafenbecken abriggen und auf dem Motorboot verstauen. Nach dem Wechsel in trockene Kleidung wärmen sich alle auf der "Oeding" mit warmer Suppe und heißem Kaffee auf, an dieser Stelle noch einmal Dank an den Smutje! Die Rückfahrt treten wir in der anbrechenden Dämmerung gemeinsam auf der "Oeding" an, für die Nichtsegler unter uns eine tolle Sache. Einzig Chris, an Segeln gewöhnt, verschläft den größten Teil des Bootsfahrt, damit ist er fit für die abendliche Rückfahrt. Zurück in Workum werden erst mal die warmen Duschen in Beschlag genommen, danach gibts dann als Krönung des Tages noch Spare Rips "All you can eat" im Hafenrestaurant... wo wir bereits Pläne für die nächste gemeinsame Tour schmieden.
 

 
Warm, satt und etwas erschöpft nehmen wir Abschied von der Crew der "Oeding", ohne die dieses Abenteuer nicht möglich gewesen wäre. Daher auch an dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön für die Unterstützung!

by Denis